cc) Keine Gewalttätigkeit
Eine revolutionäre Umgestaltung zugunsten der Menschenwürde läuft allerdings stets Gefahr, die Liebe durch Gewalttätigkeit zu verletzen. Es können jedoch extreme Situationen eintreten, in denen nur auf revolutionärem Wege Sklaverei und Terror überwunden sowie Menschenwürde und Freiheit wieder hergestellt werden können, so daß solche Wege von der kritischen Liebe beschritten werden müssen und dürfen und die Unterlassung ein Mangel an Liebe wäre. (Für eine ausführliche Analyse ist die Moraltheologie zu befragen. Siehe auch die »Eschatologie«.)
dd) Nächstenliebe und spezifische Gottesliebe
Die Bruderliebe ist, wie man zusammenfassend sagen muß, die einzige sachgemäße Haltung des Christen, weil sie allein der in ihm wirkenden neuen Le-
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benskraft gemäß ist. Sie steht wie das ganze Pilgerleben
des Christen im Zeichen des Kreuzes. Sie ist Willigkeit zum Dienst und zürn
Opfer, zum Vergeben und zum
Rücksicht-Nehmen, zum Mittragen und zum Mitleiden, zur Aufrichtung des Gestürzten
und zum Aufbau des
Zerbrochenen in einer Gemeinschaft, die ihre ganze Existenz der Barmherzigkeit
Gottes und dem Opfertod ihres Christus verdankt. Das Freund-Feind-Schema, nach welchem
jeder Mensch prinzipiell entweder zur Gruppe
der Freunde oder zur Gruppe der Feinde gehört,
ist wider Christus (E. Stauffer, Agape,
in: G. Kittel, Theologisches Wörterbuch
zum Neuen Testament l, 1933, 20 —
55). Ohne Opferbereitschaft gibt es z.B. keinen Frieden.
Die Liebe meint ganz realistisch das Du des anderen,
nicht dessen Wert, etwa seinen ökonomischen oder
seinen geistigen oder auch seinen geistlichen. Sie kann und muß auch dem
Kranken, dem Armen, dem Unangenehmen, dem Unheilbaren, und gerade Ihnen ihre Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft schenken. Ihr ist der
andere nicht bloß Gegenstand der Tugendübung,
die die »Sammlung« von Verdiensten ermöglicht, sondern ein Du, das
um seiner selbst willen zu lieben ist, weil sich in ihm Gottes Anspruch an das
liebende Ich erhebt. Sonst würde der andere zu einer Nummer
unter vielen Nummern degradiert.