cc) Liebe und Freiheit

Die vielberufene Freiheit der Kinder Gottes ist aller­dings nicht zu verstehen als Befreiung von jeglichem Gebot oder als Berechtigung, Gebot und Gesetz in Willkür zu verachten. Sie meint vielmehr die Befreiung

259

 

von den inneren Hemmnissen, das Rechte zu tun. Sol­che Hemmnisse sind die Versklavung des Menschen an seine Selbstsucht und Eigenliebe. Die von Paulus proklamierte Freiheit schließt ferner in sich die Er­mächtigung des Menschen in den konkreten Situatio­nen des menschlichen Lebens, sowohl des individuel­len als auch des politischen, des wirtschaftlichen und des gesellschaftlichen zu entscheiden, was getan wer­den muß, damit die Menschen wirklich gefördert wer­den. Hierfür gibt es keine unmittelbaren Gebrauchsan­weisungen. Die ethischen Prinzipien und Imperative bedürfen der urteilsfähigen Interpretation, damit sie in den konkreten menschlichen Probtemen wirksam wer­den können. Für die Realisierung der ethischen Prinzi­pien und Gebote trägt der Christ selbst die Verantwor­tung. Darin besteht seine Mündigkeit. Weil sich eine solche Interpretation sehr oft nicht mit Evidenz auf­drängt, wird es vielfach Meinungsverschiedenheiten zu der Frage geben, was in einer konkreten Problema­tik das Richtige, d. h. das die menschliche Würde und Freiheit Voranbringende ist.

  

Zurück zum Inhaltsverzeichnis Band VI-1