2. Das Alte Testament

a) Die Tatsächlichkeit

In der Heiligen Schrift des AT treffen wir zwei von­einander abweichende Aussagen über den Menschen als Bild Gottes. Die erste steht Gen 1,26 und 1,27, fer­ner ebenda 5,11 ff und 9,6. Der Genesistext (1,26f) lautet: »Laßt uns Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnis, (irnago und similitudo}; sie sollen

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herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über alle Landtiere und über alle Kriechtiere am Boden. So schuf Gott den Menschen nach seinem Abbild. Nach Gottes Bild schuf er ihn, als Mann und Frau erschuf er sie.« Er seg­nete sie und forderte sie u.a. auf, über die übrige Welt Herrschaft auszuüben.

Wenn wir diese Texte analysieren, gewinnen wir das Ergebnis, daß im Menschen Göttliches nicht nur abge­bildet ist wie in einem Spiegel, daß vielmehr Göttliches im Menschen lebt. Dies bedeutet, der Mensch kann sich selbst-nicht verstehen, wenn er nur sich verstehen will. Er muß vielmehr über sich hinaus schauen, um sich selbst in den Blick zu bekommen. Sein Wesen weist über sich hinaus. Er ist nicht in sich verschlos­sen. Verschlösse er sich, würde er sich verfehlen. Er muß aber auch um sich blicken, da die ganze Schöp­fung um ihn herum auf ihn bezogen ist und er auf sie. Es ist beachtlich, daß es im Urtext heißt, der Mensch sei Bild Gottes, ihm ähnlich. Dieser letzte Zusatz be­deutet zweifellos eine Abschwächung. Man darf sich dabei erinnern an Psalm 8, in welchem betont wird, daß der Mensch nur wenig geringer ist als Gott. Die al­te lateinische Übersetzung ist offensichtlich über diese dem Menschen zugesprochene Größe erschrocken und hat, um die Situation zu verharmlosen, betont, daß der Mensch nur wenig unter den Engeln stehe.

  

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