5. UNTERABSCHNITT

Die Dynamik der Einwohnung der göttlichen Personen

Wenn wir die Begegnung mit Gott dem Vater, wel­che durch Jesus Christus im Heiligen Geiste erfolgt, als ein Element des Rechtfertigungsstandes kenn­zeichnen, so muß man sich vor einer statischen Vor-

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Stellung hüten. Die Begegnung begreift aufgrund ihres Wesens und ihres Sinnes ein dynamisches Element in sich. Sie geschieht immerfort. Denn Gott ist immer tä­tig. Der Stand der Rechtfertigung besteht dadurch, daß er immerfort geschaffen wird. Gott wendet sich durch Christus im Heiligen Geiste in einem ununter­brochenen Akt dem Menschen zu. Die personale Gna­de ist demgemäß nach der Analogie der creatio conti-nua eine actio continua Gottes.

In der hier gebotenen Vorstellung von der Einwoh-nung der drei göttlichen Personen scheint es nicht nö­tig zu sein, hierfür den Begriff der Appropriation, der Zueignung, zu gebrauchen. Dieser meint, daß zwar al­le drei göttlichen Personen als ein einziges Wirkprinzip im gerechtfertigten Menschen gegenwärtig sind, daß es aber angezeigt ist, dem Heiligen Geist wegen seiner personalen Eigentümlichkeit diese Gegenwärtigkeit in einer besonderen Weise zuzueignen. Diese vor allem in der abendländischen Trinitätslehre beheimatete In­terpretation macht vollen Ernst mit dem Dogma von der Einzigkeit des göttlichen Wirkens »nach außen«. Diese wird jedoch auch gewahrt, wenn wir annehmen, daß der Vater den Geist in den gerechtfertigten Men­schen sendet, daß dieser entsprechend seiner Eigenart von den Menschen Besitz ergreift, ihn mit Christus und durch Christus mit dem Vater eint. Die Einwohnung wird hier verstanden als jenes immerwährende Gesche­hen, in welchem die sendenden Personen die gesand­ten in ihrem Dasein begründen und auf der anderen Seite die hervorbringenden Personen die hervorge­brachten senden. Gott ist und bleibt gegenwärtig, in­sofern er sich immer gegenwärtig setzt, indem der Va­ter den Sohn sendet, der Sohn und der Vater den Hei­ligen Geist senden. Die ewige Hervorbringung des Hei­ligen Geistes von Vater und Sohn zielt auf die Sen-

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düng des Geistes in dem gerechtfertigten Menschen und auf seine Wirksamkeit in diesem, ähnlich wie die Hervorbringung des Sohnes auf seine Sendung in die menschliche Natur, d. h. auf die Menschwerdung zielt. Diese Sendungen haben nicht die gleiche Struktur. Aber bei aller Unähniichkeit sind sie einander ähnlich. Die Selbstmitteilung des dreipersönlichen Gottes ge­mäß der Struktur des göttlichen Lebens zielt auf die Vollendung des Geschöpfes in dem ewigen Dialog mit Gott. So ist sie ein Weg zu Gott. Der begnadete Mensch ist ein Wanderer durch die Geschichte hin­durch zu Gott. Gott ist für ihn anwesend und zugleich im Kommen.

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