Zweiter Hauptabschnitt

Der Stand und der Inhalt der Rechtfertigung

1. ABSCHNITT Der Begriff

Wie wir gesehen haben, kann die Rechtfertigung als Prozeß und als Zustand verstanden werden. Im Pro­zeß ergreift Gott die Initiative, der Mensch muß jedoch in deren Bewegung eintreten. Dies geschieht durch den Glauben im weiteren Sinn. Darüber haben wir im ersten Hauptabschnitt gesprochen. Das göttliche und das menschliche Tun verbinden sich in einem gewis­sen ungleichartigen Synergismus. Gott und Mensch wirken auf das engste zusammen. Zwischen gottli­chem und menschlichem Tun gibt es jedoch keine Identität.

Eine ähnliche Beziehung zwischen Gott und Mensch liegt vor in dem Ergebnis des Rechtfertigungsprozes ses, eben in dem Zustand der Rechtfertigung. Wenn von einem »Zustand« gesprochen wird, ist dies keines­wegs statisch zu verstehen, sondern dynamisch. Das dynamische Element besteht im personhaften göttli­chen Bereich darin, daß der dreipersönliche Gott, d. h. die drei göttlichen mit dem Gotteswesen real identi-

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sehen Personen je in ihrer personalen Eigenart auf den Menschen einwirken. Die Dynamik des »dinglichen«, des dem Menschen einhaftenden Elementes besteht darin, daß die Menschen die von Gott in ihnen hervor­gebrachte Veränderung, die neue, geistig-geistliche Zuständigkeit, immerfort im Handeln auswirken. Das spezifische Verhältnis zwischen dem rechtfertigenden Gott und dem gerechtfertigten Menschen wird auf­grund der Befreiungstat durch Jesus Christus im Heili­gen Geist auf Gott den Vater hin hervorgebracht. Zu­nächst soll dieses personale Verhältnis dargelegt wer­den, indem die Funktion einer jeden der drei göttlichen Personen gemäß ihrer Relationalst skizziert wird (vgl. Bd. 2, S. 212). Mit Nachdruck muß betont werden, daß auch dieser Zustand eine Bewegung auf die letzte Zukunft, auf Gott, hin ist.

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