7.
Kapitel
Die
kirchliche Lehre
Man
hat gefragt, ob die Väteraussagen von der »Unversehrtheit« Marias in der
Geburt buchstäblich zu verstehen sind. Athanasius, Chrysostomus, Proklos von
Konstantinopel, Kyrill von Alexandrien, Hilarius von Poitiers, Zeno von Verona,
Hieronymus, Ambrosius, Augustinus, Rufinus, Gaudentius, Maximus von Turin,
Gregor der Große lehren die Unverletztheit der Geburtswege und behaupten
dennoch die Realität der Geburt. Das »Wie« lassen sie offen. Ephräm,
Epipha-nius, noch mal Kyrill von Alexandrien und Zeno von Verona, Maximus von
Turin, weiterhin Petrus Chryso-logus behaupten darüber hinaus auch die
Schmerzlo-sigkeit der Geburt. Man fragt sich, ob durch diese Väteräußerungen
auch die Art und Weise der Jungfräulichkeit der Geburt allseitig verbindlich
ausgelegt wird,
196
oder
ob die Annahme berechtigt ist, dass sie zwar die Jungfräulichkeit in der Geburt
als Offenbarungswahrheit behaupten, dass aber über das »Wie« keine verpflichtenden
Erläuterungen bestehen. Die Vätertexte führen ebenso wenig wie die
Explikation des Schriftzeugnisses zu einer Aufhellung des »Wie« der in ihrer
Tatsächlichkeit zum Offenbarungsinhalt gehörenden virginitas in partu.
Schwierig zu verstehen (wie schon gesagt) ist dabei nicht die zur virginitas in
partu gehörende Schmerzlosigkeit, sondern die Unversehrtheit.
Auch
die kirchlichen Lehräußerungen geben über das »Wie« keinen Aufschluss. Die
kirchliche Lehre ist enthalten in den Entscheidungen über die »immerwährende«
Jungfräulichkeit Marias sowie in der täglichen kirchlichen Lehrverkündigung.
Aber auch hier finden wir keine Aufhellung des »Wie«.
Auch
in den marianischen Enzykliken, in denen häufig von der Jungfräulichkeit
Marias in der Empfängnis und der Geburt gesprochen wird, wird das »Wie« nicht
erklärt. Pius XII. spricht von einer wunderbaren Geburt (mirando modo), das II.
Vatikanische Konzil gibt in der Konstitution Lumen gentium (Art. 63) den
allgemeinen Glauben der Kirche wieder, wenn es die jungfräuliche Empfängnis
und die jungfräuliche Geburt verkündet. Maria habe im Glauben und im Gehorsam
den Sohn des himmlischen Vaters geboren, ohne einen Mann zu erkennen, vom
Heiligen Geiste überschattet. Die Glaubensüberzeugung von dem jungfräulichen
Charakter der Empfängnis und der Unversehrtheit in der Geburt Jesu ist seit den
Tagen der Urkirche bis in unsere Tage ohne beachtliche Unterbrechung verkündet
worden.
Das
kirchliche Lehramt hat also das »Wie« der jungfräulichen Geburt ebenso
wenig erklärt, wie es die Theologie erklären konnte. Weder Lehramt noch Theologie
machen gynäkologische Aussagen.
197