5. Kapitel

 

Die nachapostolischen Väter

 

1. Väter der Ostkirche

 

In der Väterzeit wurde gerade auf die jungfräuliche Empfängnis und Geburt Christi zwecks der Herausstel-

 

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lung der wirklichen Erlösung durch Jesus Christus gro­ßes Gewicht gelegt. In ihr sah man weithin das Zei­chen dafür, dass in Jesus Christus wirklich Gott zu den Menschen gekommen ist. Einige einschlägige Texte wurden schon im letzten Abschnitt mitgeteilt. Hier sei folgendes hinzugefügt: Sowohl Eirenaios als auch Ju­stin sehen in der Jesaja-Stelle einen Hinweis auf die Jungfrauengeburt.

Ignatius von Antiochien hat den Ephesern »drei laut­rufende Geheimnisse« verkündet: Die Jungfräulichkeit Marias, ihre Niederkunft und den Tod des Herrn. Ori-genes (gest. um 254) bezeugt die jungfräuliche Emp­fängnis vom Heiligen Geist, glaubt aber, dass Marias leibliche Jungfräulichkeit in der Geburt versehrt wor­den sei. Umso auffallender ist es, dass er als erster von der »immerwährenden« Jungfräulichkeit auch in und nach der Geburt spricht. Nach G. Sölls Untersuchun­gen ist Gregor von Nyssa (gest. 394) einer der ent­schie­den­sten Zeugen für Marias Jungfräulichkeit in der Geburt.

Bedeutsam ist ein Text aus dem Werk des Eirenaios »Erweis der Apostolischen Verkündigung« (1,32f): »Wo­her ist des Ersterschaffenen Natur? Sie ent­stammt Gottes Willen und Weisheit und der jungfräuli­chen Erde. ,Denn' sagt die Schrift ,Gott hatte nicht regnen lassen, bevor der Mensch erschaffen war, und es war der Mensch nicht da, das Land zu bebauen'. Von dieser Erde nun hat Gott, als sie noch jungfräulich war, Staub genommen und einen Menschen gebildet als Anfang des Menschengeschlechtes. Bei der Wie­derherstellung dieses Menschen wollte Gott dasselbe Verfahren der Leibesbildung einhalten, indem der Ret­ter geboren wurde aus der Jungfrau durch den Willen und die Weisheit Gottes; so sollte sich in seiner eige­nen Leibesbildung die Ähnlichkeit mit der bei Adam

 

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zeigen und zur Erfüllung kommen, was geschrieben steht: ,lm Anfang war der Mensch nach Gottes Gleichnis und Ebenbild.' Und wie durch den Ungehor­sam ei­ner Jungfrau der Mensch zu Fall gebracht wur­de, stürz­te und starb, so empfing der Mensch durch eine Jungfrau, welche auf Gottes Wort hörte, wieder mit Le­ben beseelt, das Leben ... So wurde er auch nicht ein neues Geschöpf, sondern bewahrte die ge­schöpf­liche Zu­sammengehörigkeit mit eben jener, welche von Adams Geschlecht war. Denn es war not­wendig und billig, dass bei der Wiederherstellung Adams in Christus das Sterbliche vom Unsterblichen verschlungen wer­de und in ihm aufgenommen werde, und die Eva von Maria, auf dass die Jungfrau die Für­sorgerin der Jungfrau werde und den jungfräulichen Ungehorsam ent­kräfte und aufhebe durch den jung­fräulichen Gehorsam.«

Bei Methodius (von Olymp, nur bekannt, dass er im 3.Jahrhundert lebte und Origenes bekämpfte) und bei Petrus von Alexandrien (gest. 311) finden wir einen sehr entschiedenen Glauben an Marias Jungfräulich­keit. Pe­trus gibt ihr zum ersten Mal den Titel »die allzeit Jungfräuliche«. Kyrill von Alexandrien, dessen ganz und gar christologisch gefärbte Mariologie eine stark entfal­tete Gestalt aufweist, schreibt in einem Brief an die Mönche: »Ich habe mich gewundert, dass einige zwei­feln, ob die heilige Jungfrau Gottesgebärerin genannt werden soll oder nicht; denn wenn unser Herr Je­sus Christus Gott ist, wie sollte dann die heilige Jungfrau, die ihn geboren hat, nicht Gottesgebärerin sein ... Vielleicht sagst du aber dies: Ist denn die Jungfrau Mutter der Gottheit geworden? Darauf antworten wir: Ohne allen Zweifel ist das lebendige und persönliche Wort aus der Wesenheit Gottes, des Vaters, selbst ge­zeugt. Es hat Dasein ohne zeitlichen Anfang, Es ist im-

 

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mer zugleich mit dem Erzeuger. Es ist in ihm und mit ihm als sein Gedanke. In den letzten Zeiten aber, da es Fleisch geworden ist, d.h. sich einem von einer ver­nunftbegabten Seele belebten Leib geeint hat, ist es auch vom Weibe, dem Fleisch nach, geboren« (Eph 1).

Der Kirchenvater nennt Maria »immerwährende Jungfrau«, »Krone der Jungfräulichkeit«. Er sagt von ihr, sie habe keine anderen Kinder gehabt als den Em­manuel und sei immer Jungfrau geblieben.

Proklos, Patriarch von Konstantinopel (gest. 446), vergleicht den jungfräulichen Schoß Marias mit dem nichtverbrennenden Dornbusch des Mose. Er erklärt, indem er eine Redeweise des heiligen Ephräm auf­nimmt, das Wort sei aus dem Schoße Marias hervor­getreten, wie es durch Marias Ohr eingetreten sei (PG 65, 692). Pseudo-Epiphanius bringt zuerst die An­schauung, der Leib Jesu sei ebenso ohne Verletzung der Jungfrau aus ihrem Schoße hervorgegangen, wie später aus dem Grabe, ohne dessen Siegel zu brechen (Hom. 2 in Sabb. magno).

Was insbesondere die Frage der Jungfräulichkeit nach der Geburt betrifft, so sagt Basilius (gest. 379) folgendes: »Josef stand auf, nahm sein Weib zu sich und mit jeglicher Fürsorge, Liebe und Besorgtheit, die sich Hausgenossen auferlegen, betreute er es, enthielt sich aber vom ehelichen Verkehr. Das scheint nun die Ver­mu­tung nahe zu legen, dass Maria, nachdem sie in Rein­heit der Geburt des Herrn, die durch den Heiligen Geist zur Ausführung gelangte, gedient hatte, das ge­setzlich erlaubte Eheleben nicht von sich gewiesen hat. Wir aber sind der Ansicht, dass, auch wenn bei dieser Annahme nicht das Wesen der Frömmigkeit beeinträchtigt würde — bis zu dem im Heilsplan vorge­sehenen Dienst war die Jungfräulichkeit notwendig, das Folgende sei für den Begriff des Mysteriums der

 

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Menschwerdung unwesentlich —, jene Zeugnisse aus­reichend sind, weil wir Freunde Christi es nicht ertra­gen, zu hören, dass die Gottesgebärerin jemals aufge­hört habe, Jungfrau zu sein« (Homilie »Auf die Mensch­werdung Christi«).

Basilius lehnt also die von ihm erwähnte Vermutung entschieden ab. Die Väter sahen die Jungfräulichkeit nach der Geburt vielfach als die Folge eines freien Ent­schlusses Marias an, eines Entschlusses, den sie auf­grund ihrer Erwählung zur Muttergotteswürde fasste. Ephräm sagt: »In Heiligkeit wohnte Josef mit ihr, bis sie den Erstgeborenen gebar. Diese Heiligkeit war not­wendig gefordert, wenn auch mit Zustimmung ihres Willens; doch die Heiligkeit, die sie nach der Geburt des Herrn bewahrte, war ihrer Freiheit überlassen.«

Der Kirchenlehrer Johannes von Damaskus (gest. 749) schließt in langen und ausführlichen Darlegungen die Lehre des Ostens von der immerwährenden und vollkommenen Jungfräulichkeit Marias ab. Starken Widerhall fand die Mariologie des östlichen »Doctor Marianus« bei seinen Zeitgenossen, dem heiligen Ger­manus von Konstantinopel, dem heiligen Andreas von Kreta und bei Johannes von Euböa.

Eine bedeutsame Rolle spielt in der altlateinischen Mariologie die Jesaja-Stelle. Sie wird von der Jung­frauengeburt des Messias gedeutet. Sie liefert den Vor­entwurf für die älteste Darstellung der heiligen Jung­frau in der Priszilla-Katakombe aus dem 2. Jahr­hundert. Die zahlreichen Zeugnisse für die Muttergot­tesschaft Marias enthalten fast ausnahmslos auch die Bezeugung ihrer Jungfräulichkeit. Hippolyt (gest. 235) von Rom, der sowohl Vermittler der griechischen Mariologie an den Westen als auch Zeuge der altrömi­schen Mariologie ist, erklärt, dass Jesus als erstgebore­nes Wort den Stammvater Adam in der Jungfrau

 

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heimgesucht hat, dass er aus einer Jungfrau Fleisch an­genommen hat, um den alten Menschen in einem neu­en Gebilde zu tragen. Im Mittelpunkt seiner Theo­lo­gie steht das fleischgewordene Gotteswort und damit zu­gleich die Jungfrau, aus der es Fleisch annahm. Das Gotteswort ist geboren aus Geist und Jungfrau (Con­tra Noetum, 17).

  

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