2.
Kapitel
Die
biblischen Texte in ihrem besonderen Bezug zur Jungfräulichkeit Marias in ihrer
Mutterschaft
1.
Allgemeiner Durchblick
Die
Schrift bezeugt den jungfräulichen Charakter der Empfängnis und der Geburt
Jesu Christi in den Kindheitsgeschichten von Lukas und Matthäus (Lk 1,26-38; Mt
1,18-25). Josef war nicht der wirkliche Vater Jesu. Nach Lukas geschieht die
Empfängnis dadurch, dass der schöpferische Geist auf Maria kommt und die
Kraft des Allerhöchsten sie überschattet. Da die Ausdrücke »über dich
kommen« und »dich überschatten«, welche bei Lukas 1,35 stehen, nach dem
Parallelismus der Satzglieder einander entsprechen und den gleichen Sinn haben,
kann das Wort »überschatten« nur bedeuten, dass die Kraft Gottes sich auf
Maria niederlassen wird, ähnlich wie nach Ex 14,34f die Wolke, das Sinnbild der
gnädigen und wirksamen Gegenwart Gottes, sich auf der Stiftshütte niederließ
und sie überschattete. Der Ausdruck bedeutet das schöpferische Handeln Gottes
an Maria.
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Der
Gedanke einer jungfräulichen Empfängnis war dem zeitgenössischen Judentum
unbekannt. Die jungfräuliche Empfängnis und Geburt war indes durch das Alte
Testament von ferne vorbereitet. Wenn man nämlich im Alten Testament die Kette
der Geschlechter von Adam bis Maria durch die Geschichte hindurch verfolgt,
dann ist man überrascht, eine wie große Rolle die Geburt spielt. Das Motiv,
dass eine Frau, von der man es nicht erwarten konnte, mit einem Kinde beschenkt
wird, durchzieht das ganze Alte Testament. Es ist der Angelpunkt der Geschichten
von Abraham bis Jakob. Es findet sich wieder bei Samuel und wirkt bei David
nach, gerade auch in seiner Ehebruchsgeschichte. Die Vorstellung, dass der
Messias in wunderbarer Weise geboren wird, ist durch die Geschichten von den
wunderbaren Geburten Isaaks, Josefs, Simsons, Samuels und zuletzt und am höchsten
durch die Geburt des Johannes nahegelegt. Diese letztere ist die auffallendste
Vorgeschichte der jungfräulichen Geburt Jesu. Johannes der Täufer war ja sein
Vorläufer. Dass Elisabeth trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch einen Sohn
empfangen hat (Lk 1,8-25), ist nach dem Worte des Engels ein Zeichen, welches
Gott Maria schenkte, damit sie an ihm die Glaubwürdigkeit der Engelsbotschaft
erkennen kann. An Elisabeths Fruchtbarkeit wird dokumentiert, dass bei Gott, wie
der Engel sagt, nichts unmöglich ist.
Maria
freilich ragt über alle Mütter des Alten Testamentes hinaus. Denn an ihr
soll geschehen, was an keiner anderen geschah. Sie soll das Kind ohne Zutun
eines Mannes empfangen. So bleibt ein unüberbrückbarer, wesentlicher
Unterschied. Die jungfräuliche Empfängnis stellt etwas völlig Neues und
Einmaliges dar. Sie ist daher letztlich unvergleichlich.
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