d)
Novatian
In
klarer Prägung bietet sich die Marienlehre des Novatian dar (Mitte des
3.Jahrhunderts). Seine Quellen sind Eirenaios und Hippolyt. Novatian beginnt das
9.Kapitel seines Buches »Über die Dreifaltigkeit« folgendermaßen: »Die
Glaubensregel der Kirche lehrt uns auch zu glauben an Jesus Christus, unsern
Herrn, aber als an den Sohn Gottes... Dieser Jesus Christus, der, um es nochmals
zu betonen, Gottes Sohn ist, hat nach dem Zeugnis der Schrift sich im Alten
Testament vorher verkünden lassen und ist im Neuen Testament selbst erschienen,
indem er in der greifbar gegenwärtigen Wirklichkeit (Wahrheit) seines
Menschenleibes alle geheimnisvollen Schattenzeichen und Vorbilder erfüllt.«
Novatian wendet sich sowohl gegen die Gnosti-ker mit ihrer Leugnung der wahren
menschlichen Natur Jesu Christi als auch gegen die Leugner der Gottheit Jesu
Christi. Er erklärt: »Sie alle widerlegt die Geburt des Herrn; denn Johannes
sagt uns: ,Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt'. Wahrlich,
unser eigenes Fleisch hat der Logos angenommen. Wie ein Bräutigam ist er
herabgestiegen in das Fleisch, um durch die Annahme des Fleisches als
Menschensohn dorthin aufzusteigen, von wo er als Gottessohn und Wort
herabgestiegen ist - wahrlich, auf dass so durch gegenseitige Durchdringung das
Fleisch in sich trage den Logos Gottes, und der Sohn Gottes hinwiederum die
Gebrechlichkeit des Fleisches auf sich nehme« (De trinitate, 13).
e)
Kappadokier
Noch
ein Wort zu den Kappadokiern. Von Gregor von Nazianz war schon die Rede. Der
Ausdruck »Got-tesgebärerin« kommt bei Basilius nur einmal vor, und zwar ohne
Betonung. Bei seinem Bruder Gregor von
117
Nyssa
finden wir das Wort fünfmal, allerdings ohne ausführlichere theologische Erklärung.
In der Schrift »Über die Jungfräulichkeit« sieht dieser in Mirjam, der
Schwester des Mose, auch die Gottesgebärerin Maria vorgebildet. Im 13. Kapitel
des gleichen Werkes nimmt er den Gedanken des heiligen Ignatius von Antiochien
auf, dass der Tod, der bis zur Gottesgebärerin geherrscht hat, an der
Jungfrauschaft zu Fall gekommen sei. Ferner verwendet er den Ausdruck in einem
Briefe an die beiden Schwestern Eusthatia und Ambrosia, wenn er den Verdacht zurückweist,
als habe jemand »von uns« gesagt, die heilige Jungfrau und Gottesgebärerin
sei zugleich Menschengebärerin. In einer Weihnachtspredigt spricht er von dem
im brennenden Dornbusch versinnbildeten »gott-tragenden Leib der Jungfrau«. In
einer Osterpredigt sagt er: »Wie die Gottesgebärerin Maria, ohne bei der
Geburt die Jungfräulichkeit und bräutliche Unversehrtheit zu verlieren, nach
dem Willen Gottes und durch die Gnade des Geistes den Schöpfer der Welt
gebar, und den göttlichen Logos, der aus Gott stammte, so stieß die Frau,
indem sie aus ihrem eigenen Schoß die Frucht des Todes losließ, auf Gottes
Befehl den Herrn der Juden hervor« (Patres graeci 46, 688).