b) Gregor von Nazianz
Unter
den Theologen hat außer Kyrill von Alexandrien am stärksten der Kappadokier
Gregor von Nazianz gewirkt. Er sagt: »Wenn jemand die heilige Maria nicht
als Gottesgebärerin annimmt, dann ist er von der Gottheit getrennt. Wenn jemand
sagt, dass Christus durch die Jungfrau wie durch einen Kanal gelaufen sei ...,
wenn jemand behauptet, dass zuerst der Mensch Jesus gebildet worden sei und dann
der Gott erst sub-sistiere ..., wenn jemand zwei Söhne einführt, einen aus
Gott, dem Vater, und einen zweiten aus der Mutter und nicht einen und
denselben, der soll aus der Sohnschaft fallen, die den Rechtgläubigen verheißen
ist. Es sind nämlich zwei Naturen Gott und Mensch, wie Leib und Seele, nicht
zwei Söhne und nicht zwei Götter, wenn auch Paulus vom inneren und äußeren
Menschen spricht (2 Kor 4,16). Wenn jemand sagt, dass die Gnade in ihm wie in
einem Propheten gewirkt habe, wenn einer den Gekreuzigten nicht anbetet, ...
wenn einer sagt, er (Christus) sei durch Werke zur Vollendung gelangt ..., wenn
einer sagt, dass das Fleisch (Christus) vom Himmel herabgestiegen sei und nicht
von hinnen und nicht bei uns ..., wenn jemand seine Hoffnung auf einen Menschen
setzt, der ohne Vernunft war (der arianische und apollinarische Christus), der
verdient es überhaupt nicht, erlöst zu sein; denn was nicht angenommen ist,
ist auch nicht erlöst.« In diesem Text sieht man, dass die von Kyrill von
Alexandrien verwendeten Stichworte sämtlich von Gregor von Nazianz geprägt
worden sind.
c)
Heilsgeschichtliche Sicht
Aus
diesem Text ergibt sich, dass der Ausdruck »Gottesgebärerin« in
heilsgeschichtlichem Sinne gebraucht wird. Gregor von Nazianz hat den
theologi-
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Weg zur endgültigen kirchlichen, dogmatischen Glaubensformulierung geebnet.
Für
die kirchliche Lehre kommen in Betracht die Konzilien von Nikaia (325), von
Konstantinopel (381), von Ephesus (431), von Chalkedon (451) und noch einmal
von Konstantinopel (553).
Die
Lehre von Maria als der »Gottesgebärerin« (als der »Mutter Gottes«) lässt
sich leichter verstehen aufgrund der »Deszendenzchristologie« als aufgrund
der »Aszendenzchristologie« (Söll).
Der
Ausdruck war bei den Gläubigen schon vor dem Konzil von Ephesus (431) geläufig.
Er ist die sinnvolle Konsequenz der Konzilsentscheidung von Nikaia.
Ausschlaggebend sind dabei zwei Elemente, nämlich die Wesenseinheit Jesu
Christi mit dem Vater sowie die Subsistenz des Menschen Jesus durch die
Subsistenz des ewigen Gottessohnes. Durch diese Glaubenssätze ergibt sich die
sogenannte Idiomenkommunikation. So hat das Konzil von Nikaia eine entscheidende
Bedeutung für die mariologischen Benennungen »Gottesgebärerin« bzw. »Mutter
Gottes«, wenngleich es selbst diese Ausdrücke noch nicht gebraucht.
Das
Konzil von Nikaia (325) hat zwar selbst über Maria keine Aussage gemacht,
aber durch die Betonung der Wesensgleichheit Jesu Christi mit Gott dem Vater und
durch seine Lehre von der Inkarnation (Menschwerdung) hat es die Grundlage
geschaffen für die kommenden mariologischen Aussagen, insbesondere für die
Lehre von Maria als der Gottesgebärerin. Auf dem Konzil von Konstantinopel 381
wurde das Konzil von Nikaia bereichert durch den Glaubenssatz, dass der ewige
Sohn Gottes Mensch geworden ist durch den Heiligen Geist und geboren wurde aus
Maria der Jungfrau (DS 150).
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