a) Entstehung des Begriffs »Gottesgebärerin«
Bei
den genannten Vätern bereitet sich der Begriff der »Gottesgebärerin« vor. Es
lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen, wer ihn geschaffen hat. Wir
treffen ihn zuerst (wie schon gesagt) bei Alexander von Alexandrien (328), also
in der alexandrinischen Theologie. Von Alxandrien aus verbreitete er sich
rasch weiter, bis er im 5. Jahrhundert kirchenamtlich gutgeheißen wurde. Der
Ausdruck wurde gang und gäbe.
In
die Marienlehre des außerrömischen Abendlandes haben die Theologen von
Afrika, von Mailand, von Gallien und aus dem Frankenreiche den Reichtum der
weiteren dogmatischen Entfaltung eingetragen.
Was
Tertullian sagt, ist das Erbe des Eirenaios und das Echo aus der Tradition der
afrikanischen Kirche, geprägt von der Kraft seines Denkens und der Eigenwilligkeit
seiner Sprache. An den 20 Stellen, an denen er von Maria spricht, nennt er sie
immer »die Jungfrau Maria«. Das ganze Alte Testament ist nach ihm Vorverkündigung
der unerhörten Tatsache, dass Gott in einer Jungfrau Mensch wurde. »Die
ganze Schrift verkündet mir die Mutter Christi« (De carne Christi, 21).
Jesus ist »Frucht ihres Leibes, Sohn und Blume aus Davids Stamm« (ebda 22).
Gegenüber
dem Doketismus des Markion setzt er die Wirklichkeit des Leibes Christi mit glühender
Leidenschaft ins Licht. Markion, sagt Tertullian mit der
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ihm
eigenen Heftigkeit, verachtet die schmutzigen Windeln und die harte Krippe des
Herrn. Er versteht nicht die erhabene Torheit, mit der wir gerade in dieser äußersten
Erniedrigung Gottes einen wunderbaren Beweis für unseren Glauben sehen. »Wir
glauben an einen geborenen Gott und zwar geboren aus einer Jungfrau, an
einen fleischlichen Gott, der durch alle Schmach unserer Natur gewälzt wurde«
(ebda 4).
Das
Wort »Gottesgebärerin« findet sich in dem ältesten Mariengebet (Unter
deinen Schutz und Schirm, Gottesgebärerin). Sehr häufig ist es bei Athanasius
verwendet. Dieser erklärt: »Deshalb hat eine solche Verbindung stattgefunden,
damit sie mit der göttlichen Natur den natürlichen Menschen zusammenführe
und dessen Heil und Vergöttlichung gesichert ist. Die also leugnen, dass der
Sohn der Natur nach vom Vater stammt und ihm wesensgleich ist, sollen auch
bestreiten, dass er wahres menschliches Fleisch aus der immerwährenden Jungfrau
angenommen habe. Denn das Wort hätte uns Menschen keinen weiteren Gewinn
gebracht, wenn es nicht wahrer und naturhafter Sohn des Vaters wäre, noch
auch, wenn das Fleisch, das er anzog, nicht wirklich gewesen wäre.«
G.Söll
(a.a.O., 62), schreibt: »Dadurch, dass die Deszendenzchristologie in die
Inkarnationstheologie einmündete, erhielt die Mutter des Erlösers in der
Theologie wie im religiösen Bewusstsein einen unver-drängbaren Platz. Die
soteriologischen Argumente der Orthodoxen machten Maria für die Heilssehnsucht
und die Heilsvermittlung bedeutungsvoll. Der Hinweis auf ihre wahre und
wunderbare Mutterschaft wurde zu einem Hauptargument gegen die arianische und
apolli-narische Christologie«, welch letztere die Seele des Menschen Jesu
leugnete, und an ihre Stelle den Lo-gos setzte.
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