c) Eirenaios

Von universaler Bedeutung für die Theologie der al­ten Kirche war Justins Schüler Eirenaios von Lyon (202). Er ist ein Zeuge der gemeinsamen Glaubens­über­zeugung der ganzen Kirche. Er schreibt: »Die in Germanien gegründeten Kirchen glauben und überlie­fern nichts anderes als die in Spanien oder bei den Kel­ten, die im Orient oder in Ägypten, die in Libyen oder in der Mitte der Welt« (Adversus haereses l, 10,2).

 

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Das zentrale Thema ist für ihn die Widerlegung der Gnosis mit ihrer Leibfeindlichkeit und dem Irrtum, dass der Mensch durch Erkenntnis erlöst wird (für die Gno­sis und den Gnostizismus siehe den sehr ausführlichen Artikel »Gnosis, Gnostizismus« in: Reallexikon für An­tike und Christentum, herausgegeben von Th. Klauser und vielen anderen Gelehrten, Lieferung 83, 447-480; Lief. 84, 1980, 481-640 und Lief. 85/86, 1981, 641-659.

Gegenüber dem Gnostizismus mit seiner Aushöh­lung der Heilsgeschichte und geschichtsfeindlichen und da­her widerchristlichen uferlosen Spekulationen hat er in tiefgründigen Einsichten und glänzenden For­mulie­run­gen den heilsgeschichtlichen Charakter des christlichen Glaubens dargelegt; er gehört dadurch zu den größten Theologen, welche die Kirche hervorge­bracht hat. Von seiner heilsgeschichtlichen Sicht fällt helles Licht auf die Gestalt der an einem bestimmten Ort der Heilsgeschichte stehenden Maria (siehe A. B. Bengsch, Heilswissen und Heilsgeschichte. Eine Un­tersuchung der Struktur und Entfaltung des theologi­schen Denkens im Werke »Adversus haereses« des hl. lrenäus von Lyon, 1956).

Von Markion, einem entschiedenen Bekämpfer des Christentums, berichtet er, dass dieser das Evangelium des Lukas beschneidet, indem er die Kindheitsge­schichten der Falschlehre bezichtigt. Mit besonderer Energie wendet auch er sich gegen den Doketismus und die dualistische Christologie. Er sagt: »Nach jenen aber ist nicht das Wort Fleisch geworden, nicht Chri­stus, noch der aus allem entstandene Heiland. Weder das Wort noch Christus ist nach ihnen in diese Welt gekommen; der Heiland hat weder Fleisch angenom­men noch gelitten, sondern ist nur wie eine Taube auf den im voraus erwählten Jesus hinabgestiegen und

 

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dann, nachdem er den unbekannten Vater verkündet hatte, wieder in das Pleroma (Fülle) hinaufgestiegen.

Einige aber lassen wieder den vorerwählten Jesus, der durch Maria hindurchgegangen sein soll wie das Wasser durch einen Kanal, Fleisch annehmen und lei­den; andere den Sohn des Demiurgen, auf den der vor­erwählte Jesus hinabstieg; andere wieder lassen einen Jesus von Josef und Maria abstammen und auf diesen einen Christus hinabsteigen, der aus den oberen Re­gionen kam, unkörperlich und leidensunfähig war. Keiner der Häretiker lehrt aber, dass das Wort Fleisch geworden ist« (Gegen die Häresien III, 11,3).

Eine besondere Nachwirkung hatte die These des Ei-renaios, dass er die Schöpfungsordnung mit der Erlö­sungsordnung zur Einheit des göttlichen Heilsplanes zusammenband. Dies führte zu seiner Lehre von der Wiederherstellung (recapitulatio) der korrupten Welt und der Menschheit durch und in Jesus Christus.

In diesen Zusammenhang stellte er das von Justin eingeführte Thema der Eva-Maria-Parallele. Er gibt dem von Justin entdeckten Parallelismus und Gegen­satz von Eva-Maria neue Tiefe und Farbe. In der Eva-Maria-Parallele scheinen sich zunächst nicht die Ge­stalten Eva und Maria gegenüberzustehen, sondern die beiden Ereignisse, nämlich der Sündenfall auf der einen und die von Gott gewirkte Empfängnis auf der anderen Seite. Bei Eirenaios hingegen treten Eva und Maria als Personen stärker in den Vordergrund.

Es sei noch ein weiterer mariologischer Text er­wähnt (Kap. 33): »Woher nun ist des Ersterschaffenen Natur? Sie entstammt Gottes Willen und Weisheit und der jung­fräulichen Erde ... Bei der Wiederherstellung des Menschen wollte Gott das selbe Verfahren einhal­ten, indem er geboren wurde aus der Jungfrau durch den Willen und die Weisheit Gottes; so sollte sich in

 

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seiner eigenen Leibesbildung die Ähnlichkeit mit der bei Adam zeigen... Und wie durch den Ungehor­sam einer Jungfrau der Mensch zu Fall gebracht wur­de, stürzte und starb, so empfing der Mensch durch eine Jungfrau, welche auf Gottes Wort hörte, wieder mit Leben beseelt, das Leben ... Denn es war billig und notwendig, dass bei der Wiederherstellung Adams in Christus das Sterbliche vom Unsterblichen ver­schlungen und in ihm aufgenommen werde, und die Eva von Maria, auf dass die Jungfrau die Fürsprecherin der Jungfrau werde und den jungfräulichen Ungehor­sam entkräfte und aufhebe durch den jungfräulichen Gehorsam.«

Derartige Texte finden sich noch vielfach bei Eire-naios. Was hierbei besonders auffällt, ist: Schon im Mutterleib ist nach ihm Maria von der Erbsünde befreit worden (E. Gössmann, Die Verkündigung an Maria im dogmatischen Verständnis des Mittelalters, München 1957).

Beachtlich ist die Tatsache, dass sich bei ihm die These vom Beitrag Marias für das Heil anbahnt. Er hat den Grund gelegt für das spätere kirchliche Verständ­nis Marias als »Mittlerin zu Jesus Christus«, dem Mitt­ler. Eine Gefahr der Verselbständigung der Mariologie (der Lockerung ihrer Verbindung von der Christologie) befürchtet er nicht. Aus solchen Lehren ergibt sich, dass er »der Vater der katholischen Marienlehre« ge­nannt werden kann (Demonstratio evangelica, 33; sie­he G. Söll, a.a.O., 37).

Besonders sei hervorgehoben, dass Eirenaios bei al­len seinen Ausführungen immer das Heil im Auge hat. Dies ist nicht aus der Natur, sondern nur aus der Ge­schichte zu erreichen, in deren Scheitelpunkt Christus steht, Christus, der aus Maria kam und eine neue ge­schichtliche Situation schuf. In Buch 5 (Kap. 19 Nr. 3)

 

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des Werkes »Gegen die Häresien« stehen die antigno-stischen Sätze: »Diejenigen, denen die Heilsordnung Gottes unbekannt und fremd blieb, sind Toren. Sie sind blind für die Wahrheit und sprechen wider ihr ei­genes Heil. Sie verachten offenkundig die Ankunft des Herrn, indem sie seine Menschwerdung leugnen, oder sie verkennen die Heitsordnung der Jungfrau und las­sen den Herrn von Josef gezeugt sein. Andere wieder­um lassen nur die Seele am Heile teilnehmen, nicht den Leib« (Siehe auch V, 1, 3).

Es öffnet sich bei ihm auch der Eintritt Marias in das katholische Glaubensbekenntnis (Symbolum): »Die Kirche erstreckt sich über das ganze Weltall bis an die äußersten Grenzen der Erde. Sie hat von den Aposteln und ihren Schülern den Glauben empfangen an den ei­nen Gott, den allherrscherlichen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde und der Meere und von al­lem, was in ihnen ist, den Glauben an den einen Chri­stus Jesus, den Sohn Gottes, der Fleisch angenom­men hat um unseres Heiles willen, und an den Heiligen Geist, der durch die Propheten die Heilsveranstaltun­gen verkündet hat und sein Kommen und die Geburt aus der Jungfrau und sein Leiden und seine Auferste­hung von den Toten und die leibliche Auffahrt unseres geliebten Herrn Jesus Christus in den Himmel und sei­ne Wiederkunft vom Himmel her in der Herrlichkeit des Vaters, um alle Dinge wieder zusammenzufassen, und alles Fleisch der ganzen Menschheit aufzuerwecken und ein gerechtes Gericht über sie zu halten« (Gegen die Häresien l 10,1).

  

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