b) Justin der Märtyrer
Justin
der Märtyrer (gest. um 165) hat in dem Dialog mit dem Juden Tryphon naturgemäß
über Maria sprechen müssen. Er hat die Realität der Geburt und zugleich
die Jungfräulichkeit Marias hervorgehoben. Er spricht von ihr vielfach ohne
Namensnennung, einfach von der Jungfrau. Das Wort »Jungfrau« ist in dieser
Zeit schon zum Eigennamen geworden. Er erklärt mehrfach, dass der ewige
Gottessohn »durch« Maria Mensch geworden ist. Die Formel, der ewige Logos habe
»durch« Maria Fleisch angenommen, kam bald in Misskredit, weil sie den
Anschein erwecken konnte, als ob Maria nur der Kanal gewesen sei, durch den hindurch
der ewige Gott seinen Sohn gesandt habe, ohne dass Maria selbst aktiv wurde —
eine Begünstigung des doketischen Gnostizismus. Das Wort »durch« wurde durch
das Wort »ex« ersetzt, da dieses auch die Aktivität Marias betont.
Justin
geht über Ignatius hinaus vor allem durch die Gegenüberstellung von Eva und
Maria. Sie ist das Leitmotiv des späteren byzantinischen Marienglaubens
geworden. Sie enthält in nuce die ganze später reich entwickelte Mariologie
(G. Söll).
Von
den Kindheitsgeschichten kann man sagen: »So haben es uns die Männer gelehrt,
die alles, was unseren Herrn Jesus Christus angeht, dem Gedächtnis überliefert
haben.«
Es
ist beachtlich, dass sich Justin in religionsgeschichtlicher Orientierung
gegen jene Unterstellung der Spötter wendet, welche behaupten, dass auch
Perseus und andere angeblich von einer Jungfrau geboren worden seien. Er hält
derartige Legenden für eine
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Nachäffung
von seiten der trügerischen Schlange. Der Spott von Juden und Heiden bedeutet für
Ihn so wenig wie für spätere Mariologen. Es sei ein besonders stark
nachwirkender Text angeführt: »Wir wissen, dass er durch die Jungfrau Maria
Mensch geworden ist, damit auf dem gleichen Wege, auf welchem die von der
Schlange verursachte Sünde ihren Anfang nahm, die Sünde auch aufgehoben werde.
Denn Eva, welche eine unverdorbene Jungfrau war, gebar, nachdem sie das Wort
der Schlange empfangen hatte, Sünde und Tod. Die Jungfrau Maria dagegen war
voll Glaube und Freude, als der Engel Gabriel ihr die frohe Botschaft brachte,
der Geist des Herrn werde über sie kommen und die Kraft des Höchsten werde sie
überschatten, weshalb auch das Heilige, das aus ihr geboren werde, Sohn Gottes
sei« (Dialog 100, 5).
Die
Erlösung begann nach Justin mit der Menschwerdung, wie die Sünde mit Eva
begann. Und Maria hatte in dem Prozess der Erlösung einen unverdrängbaren
Platz. Noch mal sei auch ein Wort von H. v. Campenhausen angeführt (a.a.O.,
25): »Davon, dass hier irgend ein verliebter Gott mit einer irdischen Jungfrau
fleischlich verkehrt habe, kann im Falle Marias natürlich nicht die Rede
sein, und solche Vorstellungen sind, wie Justin betont, gänzlich fernzuhalten.«