3.
Der Eintritt Jesu in die Reihe der Generationen
nach
Ort und Zeit
Der
Sohn Gottes hat menschliches Blut und menschliches Fleisch angenommen von
einer Frau und ist so in die Reihe der Generationen eingetreten. Die Geburt aus
der Frau geschah in der Fülle der Zeit. Im Alten Testament ist Gott in
mannigfacher Weise aus seiner Unzugänglichkeit herausgetreten, um mit den
Menschen in Kontakt zu kommen. Alle diese seine Taten hatten vorläuferischen
Charakter. Sie zielten auf ein Handeln hin, in welchem er nicht mehr bloß aus
sich herausgeht, um mit dem Menschen ins Gespräch zu kommen, in welchem er
sich vielmehr in der menschlichen Geschichte selbst als tätiges Subjekt gegenwärtigsetzt
(Hebr 1,1f). Das ganze Alte Testament drängte auf diese Stunde hin. In dieser
hat Maria ihre Stelle. So steht sie am wichtigsten Ort in der von Gott gewirkten
Geschichte.
4.
Das Zeugnis des Römerbriefes
Der
reale Eintritt des Logos in die Welt gewinnt noch konkretere Farbe durch eine
Stelle im Römer-
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brief.
Paulus sagt in dem Schreiben an die Römer (1,11ff): »Paulus, Knecht Jesu
Christi, zum Apostel berufen, auserwählt für das Evangelium, das Gott im
voraus durch seine Propheten in heiligen Schriften verheißen hat, für das
Evangelium von seinem Sohne, dem Fleische nach stammend aus Davids Geschlecht.«
Hier ist bezeugt, dass der ewige Gottessohn wirklich Mensch geworden ist und
dass er seiner menschlichen Natur nach aus dem Geschlechte Davids stammt. Während
der Galaterbrief die näheren Umstände seines Eintrittes in die menschliche
Geschichte offenläßt, bestimmt der Römerbrief die Zugehörigkeit des
menschgewordenen Gottessohnes zur menschlichen Geschichte als Zugehörigkeit zum
Geschlechte Davids (vgl. 2 Tim 2,8). — Dadurch wird die Zuordnung des ganzen
menschlichen Geschlechts zu dem Messias nicht geleugnet oder vernachlässigt,
sondern geschichtlich konkretisiert und konzentriert. Es tritt die Mitte in
Sicht, von der aus das Heil sich überallhin ausbreitet.
Die
von Paulus verkündete Heilsbotschaft ist die Erfüllung des Alten
Testamentes. Gottes Verheißungen, ja er selbst werden gerechtfertigt durch die
Geschichte. Die Propheten meinen ja mit dem, was sie sagen, letztlich immer
Christus. Dies sieht freilich nur, wer ihre Schriften im Glauben liest. Man
muss von der Erfüllung aus auf die Vergangenheit zurückblicken, da diese
erst durch die Zukunft erhellt wird. Sie gibt Auskunft über die
Vergangenheit.
Von
Ewigkeit her war nach Paulus Jesus der Sohn Gottes (Röm 8,3; Phil 2,6). Aber
als er im Fleische wandelte, war seine Göttlichkeit unanschaulich. Trotz vieler
Machttaten ist er erst seit seiner Auferweckung im Vollbesitz seiner Würde, ist
er Gottes Sohn in Macht. In der Auferweckung hat er empfangen, was
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ihm
gebührt. Er ist wesentlich Geist, Pneuma, »heilig« (göttlich). Die
Auferweckung ist die Offenbarung seiner Erhöhung. In Tod und Auferweckung ist
er der »Herr« geworden. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig
geworden, dass er Herr sei über Tote und Lebende (Röm 14,9; Phil 2,6-11).
Paulus gibt im Römerbrief einen Aufriss seiner Heilsbotschaft (siehe Kuß zu
der Stelle 8,3: Der Römerbrief, 1957, 1-15).