5.
Kapitel
Theologisches
Gewicht von Marias Mutterschaft
1.
Die Geburt Jesu aus Maria —
Zeichen
von Jesu geschichtlicher Realität
Die
Kirche hat in ihren mannigfachen Lehräußerungen ausgedrückt und lebendig
fortentwickelt, was in der Heiligen Schrift grundgelegt ist. In dieser ist zwar
Maria nie »Mutter Gottes« genannt worden. Sie heißt vielmehr »Mutter Jesu«,
»seine Mutter«, die »Mutter des Herrn«. Als solche war sie dem Volke bekannt
(Mt 1,18; 2,11.13f; 20f; 12,48; Lk 1,43; 2.33f; 48.51; Joh 2,1.12; 6,42; 19,25;
Apg 1,14). Die Entfaltung dieser Aussagen führte zu der Feststellung, dass
Jesus eine geschichtliche Gestalt ist, ja, dass die Schrift in der Sache
Marias »Muttergottesschaft« bezeugt. Denn sie berichtet, dass der göttliche
Logos von der göttlichen Seite auf die menschliche herübertrat und eine wahre
menschliche Natur bis hin zur Verfallenheit an den Tod angenommen hat (Joh 1,14;
Phil 2,6), und zwar aus Maria. Das Neue Testament sagt von Jesus, dem Sohne
Marias, dass er der Messias, der Emmanuel, d.h. der »Gott in unserer Mitte«
ist, der Sohn Gottes, der »Heilige«, dass auf ihn Gesetz und Propheten
zuliefen.
In
Gal 4,4 wird bestätigt, dass Jesus der Sohn Gottes als wahrer Mensch lebte und
handelte. Eine Frau hat dem präexistenten, zeitlosen Gottessohn das konkrete
geschichtliche Dasein vermittelt. Paulus nennt die Frau, die dem ewigen Logos
das Menschsein schenkte, nicht mit Namen. Es wird jedoch durch seinen Text
bezeugt, dass es eine wahrhaft menschliche Frau war und dass der Sohn Gottes in
wahrhaft menschlicher Natur zu le-
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ben
begonnnen hat. Gottes Heilshandeln ist kein Erlebnis der einsamen Seele, keine
bloße innere Erleuchtung oder Gnadenführung, sondern Geschichte zur Zeit der
Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war (Lk
3,1). Gott wurde heilswirksam gegenwärtig in der menschlichen Geschichte. In
dieser Geschichtskontinuität hat Maria ihre raumhaft und zeithaft bestimmte
Stelle. Die Geburt aus der Frau ist der Weg zur geschichtlichen Existenz des Gottessohnes.
Sie ist daher ein Bestandteil der Offenbarung und des Glaubens. Die Frau,
welche die Mutter des Sohnes Gottes wurde, gehört, wie schon betont wurde, in
die Offenbarung und in den Glauben hinein.