4. Kapitel

 

Verbundenheit   Marias

mit dem erlöserischen Wirken ihres Sohnes

 

Seit der Vätertheologie wird aufgrund des Proto-evan­ge­liums Maria in engstem Zusammenhang mit ih­rem Erlöser-Sohn gesehen. Wenn der Text selbst auf­grund seines Wortlautes eine solche Deutung auch nicht aufnötigt, so lässt sich diese doch im Lichte der Erfüllung aus dem Wortlaut ableiten. Von den Vätern wird Gen 3,15 meist auf Christus, den Sohn der Jung­frau, gedeutet (z.B. Eirenaios, Gegen die Häresien III, 23, 7). Andere Väter sehen in dem Weibessamen Ma­ria selbst vorausverkündet, z.B. Ephräm, welcher in einem seiner Hymnen auf Maria sagt: »Verkündet hat

 

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der Herr: Aus dem Himmel gestürzt ist Satan. Maria trat jenen mit Füßen, dereinst Evas Ferse durchstach. Gebenedeit sei, der durch seine Geburt den Feind zerschmettert hat« (Hymnus 2 auf die Geburt des Herrn, Vers 31). Andere sehen in der Kirche die Siege­rin über den Satan. So erklärt Augustinus (Kommen­tar zu Psalm 103, 6): »Dieses Wort ist gesagt als gro­ßes Mysterium, nämlich als vorausdeutende Figur auf die kommende Kirche hin, die da gebildet war aus der Seite ihres Gemahls, und zwar des im Tode Entschla­fenen. Sagt doch der Apostel von Adam: Dieser ist das Bild des Zukünftigen (Röm 5,14). Was also wird der Kirche gesagt? So höret es, verstehet es, gebet acht: Sie wird der Schlange den Kopf zertreten! 0 Kir­che, gib acht auf den Kopf der Schlange!«

Papst Pius IX. hat in der Dogmatisierungsbulle zur Unbefleckten Empfängnis diese Stelle erklärt: »Die Vä­ter und die kirchlichen Schriftsteller, durch Gottes Wort erleuchtet, haben gelehrt, dass die göttliche Ver­heißung ,Feindschaft will ich setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinem Spross und ihrem Spross' klar und offenkundig den barmherzigen Erlö­ser des Menschengeschlechtes Jesus Christus, den eingeborenen Gottessohn, vorausverkündigte, seine heilige Mutter, die Jungfrau Maria, bezeichnete, und gleichzeitig die Feindschaft beider gegen den Teufel kräftig zum Ausdruck brachte. Wie aber Christus, der Mittler zwischen Gott und den Menschen, eine Men­schennatur angenommen und den Schuldbrief, der uns entgegen war, ausgelöscht und siegreich ans Kreuz geheftet hat, so hat die seligste Jungfrau, mit ihm durch engste und unauflösliche Bande verbun­den, zugleich mit ihm und durch ihn in ewiger Feind­schaft gegen die giftige Schlange und in vollem Trumpf über sie, diese mit unbeflecktem Fuß zertreten.«

 

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Die Vulgata, unsere lateinische Bibelübersetzung, hat an Stelle des im Urtext und in den ältesten Über­setzungen stehenden ipse (er) das Wort ipsa ge­braucht »(sie) wird dir den Kopf zertreten« und so in der Übersetzung zugleich und unmittelbar eine maria-nische Deutung gegeben. Sie hat damit den mariani-schen Sinn nicht geschaffen, sondern den schon vor­handenen in den Wortlaut selbst hineinverlegt. Die Vorverkündigung des Messias wird im Alten Testa­ment immer deutlicher.

Am klarsten wird der Messias selbst von Jesaja ge­zeichnet. Bei ihm tritt jedoch auch zugleich die Mutter in helles Licht. Denn Jesaja spricht von dem kommen­den Retterkind und von dem Zeichen, das mit der Jungfrauengeburt gegeben wird.

Eine eindrucksvolle Vorschau auf den kommenden Retter und seine Mutter bietet Michäas. Er sagt (5,1 ff): »Du Bethlehem in Ephrata bist zwar klein, zu klein, um mitzuzählen unter Judas Gauen. Aber aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher sein soll über Israel. Sein Ursprung liegt in der Vorzeit, in dem uralten Tag. Darum gibt er sein Volk preis bis zu der Zeit, wo die Gebärerin gebiert. Dann kehrt der Rest seiner Brüder heim zu Israels Söhnen. Er aber tritt auf und herrscht in der Kraft des Herrn, in der Hoheit des Namens des Herrn seines Gottes. Sicher wohnen sie dann. Denn groß steht er da, bis an die Enden der Er­de.«

 

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