3.
Kapitel
Theologische
Analyse des
Ausdrucks
»Mutter
Gottes«
Das
Wort »Mutter Gottes« ist begreiflicherweise der Gefahr eines schweren
Missverständnisses ausgesetzt. Es könnte zu der Vorstellung führen, dass Gott
selbst eine Mutter hat. In der Tat wurde schon in der Zeit seiner Entstehung
gegen den Ausdruck opponiert mit dem Einwand, dass er zu einer mythologischen
Gottesvorstellung Anlass gebe.
Man
kann das Wort nur verstehen durch die sogenannte »Idiomenkommunikation«, von
welcher in Band 3 dieses Werkes die Rede war. Dieser Ausdruck ist nicht leicht
zu erklären. Wie auch in dem vorliegenden Band mehrfach betont wurde,
bedeutet er, dass das Subjekt (Objekt) aller Aussagen über Maria letztlich Gott
selbst bzw. der ewige Logos ist. Weil dieser die
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menschliche
Natur in seine eigene Subsistenz aufgenommen hat, kann von ihr Göttliches als
des Trägers der menschlichen Natur ausgesagt werden oder vielmehr, es kann
Menschliches von Gott, nämlich dem Logos, ausgesagt werden, da das Menschliche,
das zu ihm gehört, nicht eine eigene Personalität hat, sondern personal ist
durch die Personalität des Logos. Dies wurde besonders deutlich hervorgehoben
durch das Konzil von Konstantinopel im Jahre 553.
Zum
Verständnis dieser These ist zu unterscheiden zwischen »Natur« (Wesen) und
Person. Die Person ist als ontologischer Naturträger zu verstehen, der zugleich
durch die Natur als sein Instrument tätig ist. Die Ausdrücke »Empfängnis«
und »Geburt« beziehen sich auf den Naturträger, auf die Person. Da die
menschliche Natur im ersten Augenblick der Empfängnis in die göttliche
Person hineingenommen wurde, kann man in Wahrheit sagen, Gott sei empfangen und
aus der Jungfrau geboren worden. Eine Frau wird daher deshalb jemandes
Mutter genannt, weil sie ihn empfangen und geboren hat. Folglich wird die
seligste Jungfrau in Wahrheit »Mutter Gottes« genannt. Nur dann könnte man
in Abrede stellen, dass die Jungfrau Maria in Wahrheit Mutter Gottes ist, wenn
die menschliche Natur der Empfängnis und Geburt unterworfen gewesen wäre,
bevor dieser Mensch Sohn Gottes war - die Ansicht des Photios (gest. um 891)
-, oder wenn sie nicht in die Einheit der Person, beziehungsweise des Naturträgers,
des göttlichen Wortes aufgenommen worden wäre - die dem Nestorius
zugeschriebene Behauptung. Beide Ansichten aber sind irrig. Daher ist es irrgläubig,
zu leugnen, dass die seligste Jungfrau »Mutter Gottes« ist (nach Thomas von
Aquin; siehe Bd. 4,2).
Andere
Wege ging die Schule von Antiochien. Dies ist begreiflich. Denn in dieser Schule
wurde mit der
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Zweiheit
der Naturen in Christus auch die Zweiheit der Personen gelehrt. Daher ist der
von Maria geborene Jesus eine menschliche, nicht eine göttliche Person. Von
dieser Theologie ging im 4. Jahrhundert der Kampf gegen die Formel aus.
Der
Patriarch Eustathius, Erzbischof von Sebaste (gest. nach 377), leitet eine
theologische Richtung ein, welche zum Nestorianismus führte. Er sagt, Maria habe
nicht das Wort geboren, sondern den Sohn Davids. Diodorus, das Haupt der
Antiochener Exegeten-Schule, nahm diesen Ausdruck auf. Solche Formulierungen
sind auch aus der Sorge geboren, dass den Arianern für ihre Leugnung der wahren
Gottheit Christi kein Vorwand geboten werden sollte. Diesem Ziele schien es zu
dienen, wenn man alle menschlichen Aussagen über Jesus nur auf das Menschliche
und nicht auf das Göttliche bezog.
Die
ersten Keime der künftigen Irrlehre entwickelten sich kräftig weiter in der
Theologie des Theodor von Mopsuestia. Beachtung verdient, dass der heilige
Chrysostomus, welcher der Schule von Antiochien nahestand, das Wort »Gottesgebärerin«
nie verwendet, während er in der Sache rechtgläubig denkt.
Die
Verheißung in der Genesis (3,15) wird christolo-gisch und mariologisch
gedeutet, sie lautet: »Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe,
zwischen deinem Spross und ihrem Spross: er wird dir den Kopf zertreten, du
aber wirst ihn nur an der Ferse verletzen.« Dieser Text, in dem Gott einen
Fluch über die Schlange bzw. über den Satan ausspricht, bezeugt, dass der
Kampf, der im Paradies zwischen dem Weibe und der Schlange als der verführerischen
bösen Macht begonnen wurde, durch die Geschichte der Menschheit
weitergegeben wird. In diesem Kampfe wird der Mensch zwar Wunden empfangen, aber
zuletzt Sieger
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bleiben.
Als Gegner der Schlange werden das Weib und der Weibessame, nicht einfach die
Menschen genannt. Der Ausdruck »Weibessame« bezeichnet das
Menschengeschlecht unter dem Gesichtspunkt seiner Schwachheit. Die Schlange hat
ihren Angriff gegen das Weib gerichtet. Vom Weibe wird auch der kommen, der
sie vernichten wird. Wenn an dieser Stelle der Erlöser und seine Mutter auch
nicht als bestimmte Einzelgestalten angekündigt werden, so ist doch die Überwindung
des Verführers durch das Geschlecht der Verführten verheißen. In diesem Sinne
weist die Stelle auf den kommenden Retter aus der Sünde hin und kann daher
Protoevangelium genannt werden.