7. ABSCHNITT

 

Maria — die Mutter Gottes

 

1. Kapitel

 

Hermeneutik

 

Der Sohn Gottes konnte sich auf mannigfache Wei­se mit einer menschlichen Natur verbinden. Er wollte jedoch so in die menschliche Geschlechterreihe eintre­ten, dass er als Glied in der Kette der Generationen sichtbar wurde. Denn ihm lag daran, das menschliche Schicksal auf sich zu nehmen, um es von innen her zu verwandeln. Deshalb hat er die menschliche Natur durch eine Frau angenommen und wählte somit jenen Weg, auf dem seit Adam jede »Menschwerdung« ge­schieht. So wurde eine menschliche Frau seine Mut­ter. Es gilt daher: Maria ist im wahren und eigentlichen Sinne Mutter Jesu Christi. Sie ist daher auch im wah­ren und eigentlichen Sinne Mutter Gottes. Diese setzt natürlich den Glauben an die göttliche Subsistenz der menschlichen Natur Jesu voraus.

Die in diesen Sätzen bekannten Tatsachen gehören zum Bestande der Offenbarung und sind daher auch Inhalt des rechten Glaubens. Wenn Jesus Christus die Mitte jener Ereignisse ist, in denen sich die göttliche Selbsterschließung vollzog, und von den Offenba­rungsgläubigen als solche bekannt werden muss, dann gehört Maria als seine Mutter in das Glaubensbekennt­nis hinein. Denn sie stellt den historischen Ort dar, an

 

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welchem Gott den Überschritt aus der Ewigkeit in die Zeit leistete. Sie gibt dieser geschichtlichen Tat Gottes den Charakter des Hier und Jetzt, ohne den es Ge­schichte nicht gibt. Ablehnung oder Gleichgültigkeit ihr gegenüber müsste zur Ablehnung und Gleichgültig­keit gegenüber der Menschwerdung Gottes als einem konkreten geschichtlichen Ereignis führen. Nur wer in der Menschwerdung eine ungeschichtliche Abstrak­tion, ei­ne bloße religiöse oder philosophische Idee sieht, kann an Maria, der geschichtlichen Stelle, an der Gott in das Fleisch menschlicher Schwäche und Sterblichkeit einging, um den Menschen das Leben Gottes einzuge­stal­­ten, verärgert oder uninteressiert vorbeisehen. Wo hingegen Christus bekannt wird als der in die Geschichte eingegangene und in ihr wirken­de Gottessohn, muss auch Maria als seine Mutter im Glauben angenommen werden. Sie gehört (wie ge­sagt) in das Credo hinein.

  

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