4.
Kapitel
Theologisch-kirchliche
Weiterentfaltung
Der
weitere Gang der abendländischen Mariologie ist weitgehend durch den Kampf
gegen den Monophy-sitismus, gegen die Lehre also, dass es in Christus nur eine,
nämlich die göttliche Natur gebe, und durch das Konzil von Chalkedon (451)
bestimmt, welches den Monophysitismus verurteil hat. Wenn auf der Kirchenversammlung
in Ephesus (431) die personale Einheit in Christus auf dem Spiele stand und in
der Formel von der »Gottesgebärerin« einen Ausdruck fand, so wurde auf dem
Konzil von Chalkedon (451) die Zweiheit und die Wirklichkeit der Naturen verkündet.
Christus ist hinsichtlich seiner göttlichen Natur dem himmlischen Vater
konsubstantial, hinsichtlich seiner menschlichen Natur der Mutter. Die Echtheit
und die Wirklichkeit der menschlichen Geburt des göttlichen Logos waren es, um
die es hier ging.
Es
bedurfte freilich eines langen Mühens und einer Läuterung des Begriffes, bis
die Formulierung »Got-
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tesgebärerin«
in der Kirche üblich und allgemeines Element der kirchlichen Sprache wurde.
Nachdem das Wort im Volke Gottes schon weit verbreitet war, wurde es auf dem
Konzil von Ephesus (431) als Ausdrucksgestalt des unverkürzten Marienglaubens
festgelegt. Der Terminus hat mit mythischen Göttergeburten nichts
gemeinsam. Wenngleich er in mythologischen Erzählungen gebräuchlich ist, so
hat er in seiner christlichen Verwendung eine ganz andersartige Sinn-haftigkeit.
Seine theologische Heimat ist die Lehre von der Idiomenkommunikation, welche vom
3.Jahrhundert an auf der Grundlage der Heiligen Schrift und des späteren
Konzils von Nikaia ausgebildet wurde. Diese besagt folgendes: Da die zweite göttliche
Person (die eine Person des Logos) sowohl in der menschlichen als auch in der göttlichen
Natur existiert, muss von ihm sowohl göttliches wie menschliches Tun ausgesagt
werden. So kann man sagen, dass Gott gekreuzigt wurde und gestorben ist. Dies
trifft nämlich zu, insofern die menschliche Natur Christi gekreuzigt wurde
und gestorben ist, deren »Ich« die zweite göttliche Person ist und die nur in
dieser göttlichen Person existiert. Ähnlich muss man sagen: Maria hat eine
menschliche Natur empfangen und geboren, deren Ich der göttliche Logos ist.
Unter diesem Aspekt gilt der Satz: Gott ist aus Maria geboren worden, nämlich
in bezug auf die von ihm übernommene menschliche Natur. Dieser Vorgang der
Aufnahme des Irdisch-Zeitlichen in die Subsistenz des Ewig-Göttlichen soll
noch weiter erklärt werden, ohne dass er jemals seines abgründigen
Geheimnisses entkleidet werden kann.
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