c) Johannes-Offenbarung

Die Frage, ob unter dem »Weib« der Apokalypse Maria zu verstehen ist, dürfte nicht leicht zu beantwor­ten sein. Zunächst ist wohl Israel und sodann die Kir­che gemeint (Offb 12,1-6). Die Deutung auf Maria ist nicht ausgeschlossen.

 

d) Markus und Johannes — keine Gegensätze

Man kann gegen die Geschichtlichkeit der von Mat­thäus und von Lukas behaupteten jungfräulichen Emp­fängnis Jesu nicht als Gegenzeugnis anführen, dass Markus und Johannes nicht von ihr sprechen. Wenn sich auch der Grund für ihr Schweigen nicht mit Si­cherheit angeben lässt, so dürfte er doch darin liegen, dass diesen beiden Evangelisten ebenso wie Paulus nur die Botschaft am Herzen lag, die Jesus seit seinem öf­fentlichen Auftreten bis zu seinem Tode, seiner Aufer­stehung und seiner Himmelfahrt betrifft. Man kann für diese Erklärung darauf hinweisen, dass Petrus nach dem Tode des Verräters Judas für die Wahl eines neu­en Apostels als Voraussetzung bezeichnete, dass die­ser miterlebt habe, was seit dem Beginn des öffentli­chen Auftretens Jesu bis zu seiner Himmelfahrt ge­schehen ist (Apg 1,15-26). Es ist verständlich, dass man auf das Leben und Handeln Jesu vor Beginn sei­ner öffentlichen Tätigkeit im Laufe der Zeit fragend zu­rückschaute und wissen wollte, wie es mit Jesus in seiner Kinder- und Jugendzeit stand. Diese neue Orientierung erreichte ihre höchste Entfaltung in dem Matthäus- und Lukas-Evangelium. Es ist jedoch be­greif­lich, dass nicht jeder Evangelist dafür Interesse hatte, eben aus dem angeführten Grunde.

 

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