c) Matthäus

Was zunächst die von Matthäus gebotene Kindheits-Geschichte betrifft, so verwendet er in seiner These von der Jungfrauengeburt für seine judenchrist­lichen Leser ausdrücklich die Emmanuelweissagung bei Jes 7,14. Es wird hierbei der Text von Jesaja in ei­nem Sinne interpretiert, in dem er vor der Erscheinung Jesu Christi nicht verstanden wurde, der auch nach der historisch-kritischen Methode allein aus dem Text nicht herausgelesen werden muss. Es handelt sich dabei um das Verständnis des Wortes »Alma«. Von dieser wird gesagt, dass sie einen Sohn gebären wird. Dieser wird für König Achaz ein Zeichen sein. »Alma« kann so­wohl Jungfrau als junge Frau heißen. Im Alten Testa­ment wird es als junge Frau verstanden. Aber schon die Septuaginta übersetzt das Wort mit Jungfrau.

 

47

 

Man muss jedoch sagen, dass Matthäus die authenti­sche Interpretation von Jesaja bietet. Es gilt hier, was vom ganzen Alten Testament gilt, dass nämlich sein wahrer Sinn erst durch das Neue Testament aufleuch­tet. Die Vergangenheit wird durch die Zukunft ausge­legt.

Für die jüdischen Leser des Matthäusevangeliums be­deu­tete demgemäß die Botschaft von der jungfräu­li­chen Empfängnis und Geburt Jesu etwas völlig Neu­es und Unerwartetes, ja, etwas so Unglaubliches, dass bald über diese Behauptung gespottet wurde. Aber gerade in diesem völlig Neuen zeigt sich die neue Zeit an, die durch Christus eingeleitet wurde.

  

Zurück zum Inhaltsverzeichnis Band V-5