5.
Kapitel
Glaubwürdigkeit
Wenn
man in diesem Bereich vielfach von Legende oder Theologumenon oder Midrasch (bei
Matthäus und bei Lukas) spricht, dann ist zu bedenken, was ein so sachkundiger
Forscher wie R. Laurentin, Struktur und Theologie der lukanischen
Kindheitsgeschichte
39
(1967,
110), betont: »Diese Erzählungen sind nicht fromme Legenden, frei erfundene
Geschichten zur Darstellung religiöser Gedanken, sie sind Tatsachenberichte,
die von Augen- und Ohrenzeugen überliefert wurden, Berichte, die zwar
stilisiert werden, im wesentlichen aber zuverlässig sind.« Was speziell den
Ausdruck Theologumenon betrifft, so vermerkt E. Nel-lessen (Das Kind und seine
Mutter, 1969, 99): »Wenn vom Theologumenon der Jungfrauengeburt gesprochen
wird, ist in der Regel gemeint, dass es eine Empfängnis und Geburt ohne Zutun
eines Mannes in Wirklichkeit nicht gegeben habe.« Solche Interpretationen
beruhen auf Vorgefassten Meinungen, vor allem nehmen sie Gottes Schöpfertum
nicht ernst genug. (Siehe auch H.v. Campenhausen, Die Jungfrauengeburt in der
alten Kirche, 1962. 0. Knoch, Die Botschaft des Matthäusevangeliums über Empfängnis
und Geburt Jesu vor dem Hintergrund der Christusverkündigung des NT, 1970. H.
Schürmann, Das Lukasevangelium, 1969, 39ff. R. Pesch [Hrsg.], Zur Theologie der
Kindheitsgeschichten. Der heutige Stand der Exegese. Mit Beiträgen von P.
Fiedler, D. Zeller, U. Wilckens, J. Brosseder, R. Pesch (Katholische Akademie
der Erzd. Freiburg, 1981.)