5. Eingriff Gottes in die Schöpfung möglich?

Einen Eingriff Gottes in das menschliche Leben nach der angedeuteten Art und so in die Geschichte, in die Ge­­­schlechterreihe der Menschen kann nur geleugnet wer­­den, wenn man die Schöpfung Gottes als einen ein­maligen, vor unvorstellbarer Zeit vorgenommenen und seitdem abgeschlossenen Akt versteht, auf den ei­ne bleibende Untätigkeit Gottes folgt. Eine solche These geht indes von einer unbewiesenen und unbe­weis­baren Voraussetzung aus. Sie lehnt die wahre Transzen­denz und die Abhängigkeit jeder Erfahrungs­wirk­lichkeit von dem ständigen schöpferischen Tun Gottes ab.

Wer jedoch den Charakter der Welt als ständige Schöpfung bejaht, kann nicht leugnen, dass die Welt von Gott abhängig ist und für ihn offen bleibt. Diese Offenheit wird nicht hinreichend gewertet, wenn man die Welt nur als Ganzes von Gott abhängig sein lässt, nicht aber eine unmittelbare Einwirkung auf einzelne Vorgänge und Situationen in ihr akzeptiert. Es wäre zwar eine theologische Naivität, überall dort, wo unse­re Mittel zur Welterklärung nicht ausreichen, eine die Lücke füllende göttliche Ursächlichkeit zu behaupten. Man darf und kann indes ein besonderes Handeln Got­tes an bestimmten Stellen im Vorgang der menschli­chen Geschichte nicht ablehnen. Dies ist jeweils eine aktive Beziehung Gottes zur Welt, welche für die Welt

 

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als Ganzes gilt. Andernfalls müsste man z.B. die Menschwerdung des ewigen Logos, die Verklärung Jesu oder die allgemeine Totenerweckung leugnen, um einige herausragende Beispiele zu nennen. Das Christentum würde in einen naturalen Humanismus von reinster Weltimmanenz umfunktioniert. Wenn Gott einen Einzelvorgang in der Welt in einer besonde­ren Weise auslöst, weiterführt und Neues schafft, dann wird jeweils von ihm die ganze Welt in einem nie unterbrochenen schöpferischen Tun vorwärts ge­bracht. Dies wird und kann allerdings empirisch nicht festgestellt werden. Die von Gott angestoßene Bewe­gung bleibt jeweils eine Bewegung des Geschöpfes. Gott wirkt ja immer und überall in welthaften Vorgän­gen, weil diese eben von Gott abhängig sind. Er ist die unsichtbare, verborgene, nicht nachprüfbare, unkon­trollierbare »Erstursache«. Das Geschöpf ist wesent­lich und immer »Zweitursache«. Ein Wunder vollzieht sich darin, dass Gottes schöpferisches Tun unmittel­bar, ohne die auf einen bestimmten Effekt im Zusam­menhang der Kausalursachen zielende »Zweitursa­che«, eine Wirkung hervorbringt.

  

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