3. Außerbiblische Parallelen

 

Besondere Aufmerksamkeit muss den in der Reli­gionsgeschichte auftretenden scheinbaren Parallelen zu biblischen Aussagen, z.B. zur Jungfrauengeburt Jesu oder zur Aufnahme Marias in die Herrlichkeit ge­widmet werden. Es lässt sich nicht bezweifeln, dass es in dieser Hinsicht auf den ersten Blick überraschende Verwandtschaften gibt. Es wäre jedoch eine völlig un­wissenschaftliche Methode, wenn man aus der verba­len Verwandtschaft auf Abhängigkeit schließen woll­te.

 

4. Übergeschlechtlichkeit Gottes

 

Insbesondere darf man die tiefgreifenden Unter­schiede oder vielmehr Gegensätze zwischen dem christlichen Gottesbilde und den außerchristlichen Gottesvorstellungen (siehe Band 2) nicht übersehen und nicht gering schätzen. Im Hintergrunde stehen je­weils völlig konträre Vorstellungen von Gott. Wenn es in mythischen Religionsvorstellungen heißt, dass Gott mit einer Frau einen Zeugungsakt vollziehe (z. B. Zeus als Goldregen), so ist dabei Gott selbst als geschlecht­lich charakterisiert. Derartiges fehlt in dem christlichen Gottesbilde vollständig. Gott ist in seiner trinitarischen Einzigkeit vollkommen frei von jeder Geschlechtlich­keit. Er ist über den Unterschied von Mann und Frau selbst erhaben, wenngleich er Männliches und Weibli­ches urbildlich in sich trägt, insofern er der Schöpfer der Welt ist und diese, vor allem den Menschen, als sein Bild geschaffen hat.

 

37

 

In reiner freier Schöpfertätigkeit, in einem in keiner­lei Materialität eingebundenen Schöpfungswillen bringt er in Maria jene Bewegungen in Gang, welche im natürlichen Vorgang der Mann in der Frau hervor­bringt. Wenn Gott in der Religionsgeschichte als Mann und nicht als Frau bezeichnet wird, so ist dies nicht in seinem Wesen, sondern kulturgeschichtlich bedingt.

 

  

Zurück zum Inhaltsverzeichnis Band V-5