2. Marias kirchen- und weltgeschichtliche Position

 

Das rechte Verständnis des AT setzt also voraus, dass es als ein Vorentwurf des NT gelesen wird, welch letzteres über den Vorentwurf inhaltlich hinausgeht, diesem aber nicht als Fremdes gegenübertritt.

Bezüglich der Gestalt Marias wird so verständlich, dass von der Alten Kirche im AT viele Typen Marias ge­funden wurden. Die wichtigste (negative) Vorgestalt Marias ist Eva, die Stamm-Mutter des Menschenge­schlechtes (siehe Band 3). Darüber wird in den folgen­den Überlegungen eingehender gesprochen werden müssen.

Das II.Vatikanische Konzil hat in Art. 53 der Kir­chenkonstitution zu dieser Problematik folgende Grund­legung geboten: »Die Jungfrau Maria, die auf die Botschaft des Engels Gottes Wort in ihrem Herzen und in ihrem Leib empfing und der Welt das Leben brachte, wird als wahre Mutter Gottes und des Erlö­sers anerkannt und geehrt. Im Hinblick auf die Ver­dienste ihres Sohnes auf erhabenere Weise erlöst und, mit ihm in enger und unauflöslicher Verbindung ge­eint, ist sie mit der höchsten Aufgabe und Würde be­schenkt, die Mutter des Sohnes Gottes und daher die bevorzugt geliebte Tochter des Vaters und das Heilig-

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tum des Heiligen Geistes zu sein. Durch dieses hervor­ragende Gnadengeschenk hat sie bei weitem den Vor­rang vor allen anderen himmlischen und irdischen Krea­turen. Zugleich aber findet sie sich mit alten erlö­sungsbedürftigen Menschen in der Nachkommen­schaft Adams verbunden, Ja sie ist sogar Mutter der Glieder Christi ... Denn sie hat in Liebe mitgewirkt, dass die Gläubigen in der Kirche geboren werden, die dieses Hauptes Glieder sind'. Daher wird sie auch als überragendes und völlig einzigartiges Glied der Kirche wie auch als ihr Typus und wahrstes Urbild im Glauben und in der Liebe gegrüßt, und die katholische Kirche verehrt sie, vom Heiligen Geiste gelehrt, in kindlicher Liebe als geliebte Mutter.«

Diese außerordentliche und einmalige, den sonsti­gen Vorstellungen von geschichtlicher Größe nicht konforme Größe Marias ist nicht unvermutet, plötzlich in unserer Geschichte aufgetaucht.

Vielmehr hat die vorhergehende Heilsgeschichte ei­nen Schatten dieser lichten Frau vorausgeworfen.

  

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