3. Kapitel

 

Das Alte Testament: Typik für Maria

 

1.  Das AT in historisch-kritischer Sicht und

als Zu­kunftsverheißung

 

Das Alte Testament steht im kirchlichen Verständnis unter dem Gesetz der Verheißung und der Erfüllung.

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Dies bedeutet: Es wird in der Kirche im Glauben an Je­sus Christus als den im Alten Testament verheißenen Messias gelesen und gewinnt im Lichte des Neuen Te­stamentes seinen letzten Sinn. Die Zukunft bzw. die Gegenwart erklärt die Vergangenheit. Es gilt nicht nur das Wort: Wir lernen aus der vergangenen Geschichte für die Gegenwart. Es gilt vielmehr, namentlich in der Theologie, auch das Wort: Wir lernen von der Zukunft das Verständnis für die Vergangenheit. Wenn unter der Führung des Heiligen Geistes das im Alten Testa­ment Verheißene sich im Neuen Testament durch die Rückprojizierung der Erfüllung in klaren Umrissen zeigt, dann wird der wahre Sinn des Alten Testamen­tes offenbar. Erst die Erfüllung zeigt, was mit der Ver­heißung gesagt ist. Diese These wendet sich nicht und will sich auf keine Weise wenden gegen die historisch-kritische Methode in der Erklärung der Verheißung. Es soll vielmehr im Gegenteil behauptet werden, dass die von Pius XII. geforderte historisch-kritische Methode für das Verständnis der Heiligen Schrift und auch der Überlieferung unentbehrlich ist. Aber gerade ihre Er­gebnisse werden über das bloß verbale Verständnis hinaus in ihrem wahren Sinn nur ergriffen durch die Erfüllung in der Zukunft.

Die historisch-kritische Methode allein ist nicht im­stande, das Kommende in seinen Konturen zu bestim­men. Vielmehr gestattet erst die verheißene Zukunft selbst, die durch die historisch-kritische Hermeneutik festgestellte Verheißung in ihrer wahren Sinnträchtig-keit zu deuten. Eine solche These fordert noch weitere Überlegungen. Zu ihrer Durchführung bedarf es auch einer moralischen Haltung. Es sei an dieser Stelle ver­wiesen auf ein sehr richtiges, wohl von keinem ernsten Forscher der Gegenwart geleugnetes subjektives Mo­ment, das von Bonaventura in seinem Werk »Itinerari-

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um mentis in deum« (Prolog Nr. 4) in mittelalterlicher Formulierung ausgesprochen wird: »(Niemand) möge glauben, ihm genüge die Lesung ohne Salbung, die Spekulation ohne Hingabe, die Forschung ohne Ver­ehrung, die Umsicht ohne Begeisterung, der Fleiß oh­ne Frömmigkeit, die Wissenschaft ohne Liebe, der Ver­stand ohne Demut, das Studium ohne die göttliche Gna­de, die Betrachtungsgabe ohne die göttlich inspi­rierte Weisheit.«

  

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