3. ABSCHNITT

 

Die theologische Einordnung der Mariologie

 

 

1. Kapitel

 

Verschiedene Möglichkeiten

 

Die seit langem ventilierte Frage, an welcher Stelle innerhalb der Gesamttheologie von Maria gehandelt werden soll, erlaubt verschiedene Antworten. Das Problem umschließt drei Teilfragen:

Die erste lautet: Soll ein eigener mariologischer Traktat entwickelt werden, analog den sonstigen Lehr­stücken in der Theologie? Dafür spricht, dass Maria in der Heilsgeschichte eine einmalige spezifische Rolle spielt. Es ist jedoch bei einer solchen Lösung zu prü­fen, ob sich die in ihrer heilsgeschichtlichen Funktion implizierten Perspektiven nicht allzu sehr verselbständi­gen und so ihre christologische und ekklesiologische Verknüpfung nicht mehr deutlich hervortreten lassen. In der Geschichte der in der Gestalt eines eigenen Lehrstückes behandelten Mariologie wird diese Gefahr mehrfach deutlich, indem man »Mariologie« und »Theologie« unterschied. Es kann so zu methodischen Unzuträglichkeiten kommen, derart, dass der »Mariolo­ge« die seiner Wissenschaft gezogenen theologischen Grenzen vergisst und im Organismus der Gesamttheo­logie die Akzente verschiebt.

Wenn man sich im Interesse einer ganzheitlichen Schau trotzdem vielfach für diese Methode entschie-

 

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den hat und entscheidet (wie es auch in meiner alten Dogmatik geschah), so können die Gefahren über­wunden werden, indem in den gebräuchlichen Einzel­traktaten jeweils auf Maria Bezug genommen wird und in dem mariologischen Lehrstück die Einordnung Ma­rias in die allgemeine Heilsgeschichte und zugleich ihre besondere Rolle in ihr dargestellt wird. So kann sich ei­ne gegenseitige Integration der Traktate bilden und so­wohl eine Unterschätzung als auch eine Überbewer­tung der mariologischen Aussagen vermieden werden (siehe die Mahnungen des Apostolischen Schreibens »Cultus Marialis«).

Die zweite Methode wurde von den Vätern und im großen und ganzen auch von den mittelalterlichen Theologen befolgt, soweit man Einzelfragen (z. B. Jungfräulichkeit Marias, Aufnahme in den Himmel, Freiheit von der Erbsünde), sei es in selbständigen Schriften, z.B. in Predigten, Ansprachen, Homilien, Monographien, sei es innerhalb sonstiger Werke (Schriftkommentare) behandelte.

Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass die Isolierung der Mariologie von der sonstigen Theologie vermieden bleibt und daher nicht die Unterscheidung von »Theo­logie« und »Mariologie« entstehen kann, ferner, dass das in den üblichen theologischen Traktaten darge­stellte Christusheil durch die Höchstform der Verwirkli­chung in Maria illustriert werden kann, insofern jeweils das Gemeinsame zwischen Maria und den übrigen Er­lösten und zugleich die Eigenart der ihr zuteil geworde­nen Erlösung aufgezeigt werden kann. Der Nachteil besteht darin, dass Maria so nicht in ihrer ganzheitli­chen Gestalt und Aufgabe in Erscheinung tritt und die Einzelaussagen über sie nicht in ihrer inneren Verknüp­fung durchsichtig werden.

 

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