2. ABSCHNITT

 

Geschichtliche Entwicklung

 

 

 

1. Kapitel

 

Die Grundakkorde der Mariologie

 

 

In den folgenden Ausführungen soll zunächst der Ort der Mariologie innerhalb des theologischen Kos­mos erörtert werden. Sodann wird das Zeugnis der Heiligen Schrift besprochen und die Entfaltung der kirchlichen Lehre. Im Anschluß an diese geschichtli­chen Untersuchungen wird in einer systematischen Weise die Summe der kirchlichen Aussagen über Ma­ria dargeboten, und zwar unter vier Gesichtspunkten.

Es ist aufschlussreich, wenn an dieser Stelle ein Pas­sus aus der Kirchenkonstitution des II. Vatikanischen Konzils eingefügt wird (Art. 52): »Da der gütigste und weiseste Gott die Erlösung der Welt vollenden wollte, ,sandte er, als die Fülle der Zeit gekommen war, sei­nen Sohn, vom Weibe geboren, ... damit wir die An­nahme zu Söhnen empfingen' (Gal 4,4f). ,Er stieg für uns Menschen und um unseres Heiles willen vom Him­mel herab und ist Fleisch geworden durch den Heiligen Geist aus Maria, der Jungfrau.' Dieses göttliche Heils­mysterium wird uns offenbar und wird fortgesetzt in der Kirche. Diese hat der Herr als seinen Leib gegrün­det, und ihr müssen die Gläubigen, die Christus, dem Haupt, anhangen und mit allen seinen Heiligen ver­bunden sind, auch das Gedächtnis ,vor allem Marias,

 

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der Glorreichen, allzeit jungfräulichen Mutter unseres Gottes und Herrn Jesus Christus' feiern.«

Mit diesen Worten werden die Grundakkorde der Mariologie angeschlagen. Durch die Geburt aus einer Frau wird die Geschichtlichkeit des Erlösers gegenüber doketischen Verflüchtigungen betont. Das Wort von der Sendung weist gegenüber dem Judaismus hin auf die vorweltliche Existenz Jesu Christi. Die Nennung des altkirchlichen Glaubensbekenntnisses hebt die Kontinuität des Marienglaubens der Kirche hervor. Ebenso tritt Marias enge Beziehung zur Kirche ins Licht.

  

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