Erster
Hauptabschnitt
Die
heilsgeschichtliche Stellung Marias
1.
ABSCHNITT
Die
heutige Situation
1.
Kapitel
Rückgang
des mariologischen Interesses
Das
II. Vatikanische
Konzil hat die Mariologie in Zusammenhang mit der Kirche behandelt, und zwar
als das 8. Kapitel der
Ekklesiologie in 5 Teilen. Die Einordnung zeigt, dass die Mariologie in so
enger Weise mit der Kirche verbunden ist, dass sie nur von der Ekklesiologie
aus besonders tief und allseitig verstanden werden kann, wie auch umgekehrt
die Ekklesiologie aus der Mariologie wichtiges Licht empfängt.
Man
könnte die Mariologie auch mit der Christologie verbinden, weil die
Christologie unmittelbar zur Mariologie hinführt. Dies
wird sich sogleich zeigen. Umgekehrt bekundet sich in der rechten
Mariologie auch die biblische Christologie. Vielfach sind mariologische Formeln
das Medium für christologische Glaubensaus-
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sagen.
Die Mariologie steht daher nicht am Rande des katholischen Glaubens, sondern in
dessen Mitte, insofern sie Ausdrucksgestalt des Christusglaubens ist.
Seit
längerer Zeit wird zwischen mariologischer Wissenschaft und marianischer Frömmigkeit
unterschieden, sei diese letztlich kultischer, sei sie außerkultischer Art.
Die zahlreichen Kongresse in den letzten Jahrzehnten haben vielfach beide Formen
in einem unmittelbaren zeitlichen Nacheinander gepflegt.
Nach
dem II. Vatikanischen Konzil ist trotz zahlreicher Tagungen internationaler Prägung
das Interesse für Marien-Fragen sowohl in der wissenschaftlichen Mariologie
selbst als auch in der marianischen Frömmigkeit sichtlich zurückgegangen. Während
vor dem Konzil vielfach ein ungesunder Übereifer hervortrat, der sich im
weitverbreiteten Glauben an zahlreiche Marienerscheinungen und auch in dem
eifrigen Betreiben neuer marianischer Dogmen ausdrückte, ist nach dem Konzil
vielfach sogar eine gewisse Animosität oder Lethargie gegen die Marienverehrung
eingetreten, wohl als überspitzter Gegenschlag gegen vorkonziliare Überhitzungen.