5. Kapitel

 

Der Empfänger

 

1. Der männliche Getaufte

 

Was den Empfänger des Weihesakramentes betrifft, so bestimmt das kirchliche Gesetzbuch (Kanon 9), daß nur männliche Getaufte das Sakrament empfangen können.

 

2. Priestertum der Frau

 

Die Geschichte der Kirche kennt in der Tat keine Priesterinnen, während solche außerhalb des Chri­stentums wohl bekannt sind und seit kurzem auch in

 

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nichtkatholischen Gemeinschaften eingeführt werden. Dies ist um so beachtlicher, weil die Frauen im Evan­gelium eine große Rolle spielen, angefangen von der Mutter des Herrn bis zu Maria Magdalena, welcher Christus als der ersten Zeugin der Auferstehung er­schienen ist, so daß sie in der kirchlichen Überliefe­rung lange die apostola apostolorum hieß. Die sozial­kulturelle Minderstellung der Frau in jener Zeit läßt das Verhalten Jesu den Frauen gegenüber um so bemer­kens­werter erscheinen. Wenn er auch keine Frau in den Kreis der Apostel berief, so hat er doch in gleicher Weise Männern und Frauen den Zugang zum Reiche Gottes eröffnet. Einer Frau, nämlich Marta, erschloß er nach dem Johannesevangelium das Heilsgeheimnis seiner Existenz für alle Menschen in einer ebenso tie­fen wie zusammenfassenden Weise (Joh 11,25), Die Antwort Martas erinnert in einem gewissen Sinne an die Antwort, welche Petrus gegeben hat (Joh 11,27; Mt 16,16). Frauen waren auch anwesend, als Jesus das entscheidende Heilstun vollzog, nämlich den Tod von Golgota (Mt 27,55f; Joh 19,25). Sie waren die er­sten, welche zum leeren Grabe des Herrn kamen (Mt 28, 1-10; Mk 16,6ff; Lk 24 1-11; Joh 20,1f; 11-18).

Nach dem Johannesevangelium haben die Frauen, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, ihre Erfah­­rung mit dem leeren Grabe den Elfen und allen übri­gen verkündet. Es wird von Lukas ausdrücklich erwähnt, daß es Maria Magdalena, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus, waren und mit ihnen auch die an­deren, die den Aposteln dies sagten. Allerdings kam die Mitteilung der Frauen den Aposteln wie leeres Ge­schwätz vor; dies ist nicht nur angesichts der umstür­zenden Nachricht, sondern auch bei der gesellschaftli­chen Stellung der Frauen in jener Zeit begreiflich. Den­noch aber entsprach ihre Mitteilung der Wahrheit.

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Auch wenn für die hierarchische Struktur der Kirche die Apostel die Grundlage bildeten, so läßt sich doch nicht leugnen, daß das entscheidende Faktum des Christentums zuerst Frauen geoffenbart und von Frau­en den Aposteln wiederum mitgeteilt worden ist. Die­se Tatsache behält ihre Bedeutung, auch wenn fest­steht, daß die Apostel erst durch die ihnen selbst zuteil gewordenen Erscheinungen Christi zu ihrem Glauben an den auferweckten Christus gelangt sind. Wir sehen daran, daß die Frauen in die Verkündigung einge­schaltet waren. Offensichtlich waren nach der Apo­stelgeschichte die nach der Himmelfahrt Jesu in ein­mütigem Gebete versammelten etwa hundertzwanzlg Christusgläubigen alle an der Wahl eines neuen Apo­stels an Stelle des ausgeschiedenen Judas beteiligt. Unter den Anwesenden befanden sich auch Frauen, insbesondere Maria, die Mutter Jesu. Nach dem Kon­text der Apostelgeschichte scheinen sie mitgewählt zu haben (Apg 1,14f).

Unbestreitbar wurde der Heilige Geist über alle An­gehörigen des neuen Gottesvolkes ausgegossen, über Männer und Frauen. Es gab hier keinen Unterschied (Apg 2,17f). Aufmerksamkeit verdient die Äußerung des Apostels Paulus im Römerbrief. Er empfiehlt hier Phöbe, von der er sagt, daß sie Diakonsdienste gelei­stet hat, ebenso fügt er Grüße an Prisca und Aquila an (Röm 16,1.3). Eigenartig ist eine Szene, welche im 18. Kapitel der Apostelgeschichte erzählt wird. Dort heißt es nämlich, daß ein aus Alexandrien stammen­der Jude Apollos nach Ephesus gekommen sei. Er war ein in der Schrift wohlbewanderter Mann. Er war, wie es heißt, über den Weg des Herrn unterrichtet und lehrte glühenden Geistes und mit Hingabe über Jesus, kannte allerdings nur die Taufe des Johannes. Als Priscilla und Aquila ihn hörten, luden sie ihn zu sich ein

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und erklärten ihm den Weg des Herrn genauer. Hier hat es also eine Familie auf sich genommen, einen of­fensichtlich theologisch interessierten und bis zu ei­nem gewissen Grade gebildeten Anhänger und Ver­kündiger Jesu in das Geheimnis des Herrn genauer einzuführen (Apg 18,23-26). Man wird auch in den 1 Tim 3,11 mitten unter den Diakonen erwähnten Frau­en Diakonissen sehen müssen, welche in einem gewis­sen Sinn ein Gegenstück zu den Diakonen bilden, Pau­lus gibt für sie bestimmte Verhaltensregeln. Ob sie identisch sind mit den Witwen, für welche Paulus (1 Tim 5,3-16) bestimmte Vorschriften erläßt, ist zu be­zweifeln. Unverkennbar gibt es Witwen, welche der Hilfe der Gemeinde bedürfen, solche, die ohne Unter­stützung leben können, und solche, welche im Dien­ste der Gemeinde stehen.

Es scheint, daß in der Urkirche für die Frauen ein weites Feld im Bereiche der Dienste offenstand. Insbe­sondere dürften zwei Formen dieses Dienstes, nämlich die private Unterrichtung zu Hause sowie das Gebet in den Gemeindeversammlungen, auch von Frauen voll­zogen worden sein. Für das letztere spricht der Text Apg 21,9. Hier ist davon die Rede, daß Philippus, ei­ner der Sieben, vier Töchter hatte, Jungfrauen, wel­che prophetisch begabt waren. Die Prophetie ist ein Charisma, welches nach den Verheißungen des Alten Testamentes und nach der Petruspredigt bei der Her­abkunft des Heiligen Geistes allen Angehörigen des Gottesvolkes zukommen sollte. Die Prophetie vollzog sich innerhalb der Gemeindeversammlung und hatte den Sinn eines Gebetes. Nicht erlaubt war den Frauen die Lehrtätigkeit in den Versammlungen (1 Kor 11,16; 14,34; 1 Tim 2,11 f). Diese wäre in der Tat nach den sozio-kulturellen Anschauungen jener Zeit skandalös gewesen.

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Auch in der nachapostolischen Zeit dienen die Dia­konissen (vielfach mit den Witwen identisch) mannig­fachen Aufgaben in der Gemeinde (Hilfe bei der Taufe erwachsener Frauen, Glaubensbelehrung der Frauen, Vermittlung des Kontaktes zwischen dem Bischof und den Frauen, die in heidnischer Umgebung lebten oder durch Krankheit oder Alter an der Teilnahme an der Eucharistie verhindert waren, Pflege der Armen und der Kranken). Im dritten Jahrhundert wurde das Amt der Diakonissin rechtlich gefestigt, und zwar zu­erst in Syrien. Zugleich wurden ihre Aufgaben erwei­tert, und zwar vor allem in liturgischer Hinsicht (Sal­bung der Frauen bei der Taufe, Türdienst). Bei den all­gemeinen Fürbitten, beim Kommunionempfang, in der Weiheordnung folgen die Diakonissen auf die Diako­ne. Sie haben auch die Befugnis, kranken Frauen die Kommunion zu bringen (Testament unseres Herrn Je­sus Christus 2,26).

Trotzdem betrachtete man sie bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts nicht als Mitglieder des Klerikerstan­des. Dies ergibt sich aus Kanon 19 des Konzils von Nikaia (325). Das Bild ändert sich jedoch mit dem Ende des 4. Jahrhunderts. Von da an werden den Diakonis­sen Weihen erteilt, die ein Gegenstück zu den Weihen der Diakone bilden. Nach den Apostolischen Konstitu­tionen (19,20) erfolgt die Weihe der Diakonissen in der gleichen Weise wie jene der Diakone, nämlich durch Handauflegung und Gebet. Dies zeigt, daß man die Diakonissen zum klerikalen Stande rechnete. Die Art jedoch, wie ihre Aufgaben umschrieben werden, macht deutlich, daß man die Diakonissenweihe zu den sog. niederen Weihen rechnete. Unter diesen allerdings scheint sie an der Spitze gestanden zu haben. Darauf deutet die Tatsache hin, daß die Aufgabe der Diakonis­sen unmittelbar nach jenen der Diakone besprochen

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wird (Apostolische Konstitutionen, 8,17-20.28). In der kaiserlichen Gesetzgebung (vor allem von Justinian) wurden die Diakonissen dem Klerus beigezählt. Als die Kirche aus dem Missionsstadium immer mehr heraus­wuchs, als vor allem die Erwachsenentaufe mehr und mehr aufhörte, starb das Amt der Diakonissen allmäh­lich ab, so daß die kirchliche Tradition nur den männli­chen Kleriker kennt.

Der innere Grund dafür, daß nach der Überlieferung der Kirche die Priesterweihe den getauften Männern vorbehalten ist, liegt nicht in einer größeren Befähi­gung des Mannes für die priesterlichen Aufgaben oder in einer Unterbewertung der Frau. In den Diskussionen über diese Frage wurden viele Gründe entwickelt, wel­che der Analyse des Wesens des Mannes oder der Frau entsprangen. Ihre Durchschlagskraft hängt da­von ab, ob man mit einem gewissen Maß von Sicher­heit den Unterschied herausarbeiten kann, welchen Mann und Frau für die sozial-kulturellen Funktionen der mensch­lichen Gesellschaft haben. Während man in früheren Zeiten in der Lösung dieser Frage sehr zu­versichtlich war, hat die gesellschaftliche Entwicklung in dem industriell-technischen Zeitalter in diesem Be­reich zu vielen Unsicherheiten geführt. Insbesondere mußten nicht wenige früher aufgestellte Thesen als unzutreffend erkannt werden (siehe den Text im »Cul-tus Marialis« des Papstes Paul VI.).

Wenn indes auch viele der bisher für das Priester-tum allein des Mannes angeführten Gründe dahinfal-len, so bedeutet dies noch nicht, daß sich die gesamte kirchliche Überlieferung und insbesondere die bis heu­te bestehende Praxis auf einem Irrwege befindet. Man darf wohl folgende Überlegung anstellen. Selbst wenn es aufgrund der kulturell-sozialen Verhältnisse in der Zeit Christi als skandalös empfunden worden wäre.

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falls Jesus in die Reihen der Zwölf Frauen berufen und zu dem letzten Mahl Frauen eingeladen hätte, so wäre er doch, wie die ganze Art seiner Verkündigung und seines Auftretens zeigt, nicht zurückgeschreckt, auch dieses Ärgernis hervorzurufen, sofern er Frauen als Apostel im technischen Sinne des Wortes gewollt hätte.

Im übrigen darf man nicht vergessen, daß sich dem allen gemeinsamen Priestertum so unerschöpfliche Möglichkeiten öffnen, daß sie schwerlich jemals ganz ausgenützt werden können. Den durch die Bischofs­weihe oder durch die Priesterweihe zu besonderen Diensten ermächtigten Getauften sind nur ganz be­stimmte, genau zu umschreibende Aufgaben vorbe­halten, während alle übrigen Aufgaben in der Kirche von jedem Getauften erfüllt werden können. Die prak­tische Ausweitung der Wirksamkeit der Laien in der Kirche wird sich um so mehr realisieren, je mehr die im Bischofsamt und im Priesteramt lebenden Glieder der Kirche sich vor allem jenen Tätigkeiten widmen, wel­che nur den mit der besonderen Priesterweihe ausge­statteten Gliedern des Gottesvolkes möglich sind. Ein ausdrückliches, theologisch zu verstehendes Verbot Christi oder der Apostel liegt nicht vor (siehe die heuti­ge Einschaltung von Frauen in den Vorbereitungs­dienst für den Sakramentenempfang |Bußsakrament, Erste Kommunion, Firmung].

Die ganze Problematik würde mit falschen, nämlich mit irdischen Maßen gemessen, wenn man nicht im­mer das Ziel alles kirchlichen Tuns im Auge behielte, nämlich die Gottesherrschaft. Alle strukturellen Ele­mente in der Kirche stehen unter ihrem Gesetz. Wo­rauf es ankommt, drückt Jesus selbst einmal mit dem Worte aus: »Wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist, der ist mein Bruder, meine Schwester und

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meine Mutter« (Mt 12,50), und mit einem anderen Wort: »Wer unter euch der erste sein will, der sei der Knecht aller« (Mk 10,44). Ebenso sei an ein Wort aus dem Römerbrief erinnert (13,13): »Jetzt aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei; aber das größte unter ihnen ist die Liebe.« Man muß auch be­achten, daß die »Priesterinnen« im außerchristlichen Bereich, z. B. in den Mysterienreligionen, von Christen meist mit Recht sehr skeptisch beurteilt wurden.

 

  

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