4. Kapitel

 

Die Heilswirksamkeit der Firmung

 

 

1. Unterschied zur Taufe

 

Was die Heilswirkung des Firmsakramentes betrifft, so ist es nicht leicht, sie von jener der Taufe abzuhe­ben, da, wie wir sahen, lange Zeit hindurch Taufe und Firmung als ein einheitlicher Initiationsritus vollzogen wurden und daher die spezifische Wirkung der Fir­mung sich nicht deutlich abzeichnete. In der Väterzeit wurde die Firmung als Krönung und Vollendung der Taufe bezeichnet. Die Väter schreiben ihr die Fülle des Heiligen Geistes zu und bringen so das personale Mo­ment ins Spiel. Zugleich sehen sie in ihr eine Vervoll­kommnung der Teilnahme an den Aufgaben Christi. In der Karolingerzeit wird besonderes Gewicht auf die Vermehrung der heiligmachenden Gnade gelegt. In der Frühscholastik trat der Gedanke hervor, daß die Firmung im Kampf gegen innere und äußere Feinde des Glaubens kräftige. In der Hochscholastik wurde die Befähigung und die Verpflichtung zum Bekenntnis des Glaubens betont. Thomas von Aquin zeigt die Be­deutung der Firmung für das Gemeinschaftsleben auf. Er bietet für die Frage eine Hilfe, wenn er zustimmend ein Wort anführt, nach welchem dem Getauften in der Firmung der Heilige Geist mitgeteilt werde, damit er

 

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zum Zeugnis für Christus gestärkt werde. Die Art des Kampfes gegen das Böse wird bestimmt durch die Art des Kampfes Christi, dessen Züge der Gefirmte trägt. Er besiegte die Sünde der Welt durch die Hingabe bis in den Tod. Das Gleiche ergibt sich auch aus der Tat­sache, daß die Christusbildlichkeit in der Besiegelung mit dem Heiligen Geiste entsteht. Denn die Besiege­lung mit dem Heiligen Geiste ist die Besiegelung mit der Liebe. In der Reformationstheologie wird die Fir­mung als Bestätigung des Glaubens und des Taufbun­des verstanden. Die Aufklärungstheologie sieht in ihr ein psychologisches Erbauungsmittel.

In systematischer Sicht ist zu sagen, daß die Heils­bedeutung der Firmung nicht auf Kosten der Taufe entwickelt werden darf. Die Firmung ist nicht etwa im Unterschied zur Taufe das Sakrament der Mündigkeit. Dies ist vielmehr die Taufe. Die Firmung verleiht je­doch der Mündigkeit eine besondere Reife.

  

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