9. Kapitel

 

Das Schicksal der ohne Taufe

sterbenden Un­mündigen

 

 

1. Das Problem

 

Ein besonderes Problem ergibt sich angesichts der Notwendigkeit der Taufe in Bezug auf die unmündi­gen, ohne Taufe sterbenden, des Glaubensvollzugs und einer eigenen Verantwortung nicht fähigen Kin­der. Die Kirche betrachtet deren ewiges Schicksal mit Sorge. Die Schrift selbst gibt zu dem Problem keine Antwort. Man kann jedoch folgende Überlegung an­stellen: Es wäre mit dem Heilswillen Gottes schwer vereinbar, wenn auch nur ein Kind, ohne eine persönli-

 

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che Entscheidung für oder gegen Christus treffen zu können, des Heiles, also der erfüllenden Begegnung mit Gott, für immer verlustiggehen würde.

Das Gewicht und die Aktualität der Frage wird daran sichtbar, daß Jahr für Jahr Millionen von Kindern nicht getaufter Eltern ungetauft starben und sterben, daß jährlich Hunderttausende von Kindern getaufter Eltern mit oder ohne deren Schuld ohne Taufe aus dem Leben scheiden.

In der mittelalterlichen Theologie wurde, namentlich von Thomas von Aquin, die These entwickelt, daß die ohne Taufe sterbenden Kinder zwar nicht zu dem er­füllenden »übernatürlichen« Dialog mit Gott gelangen, daß sie aber trotzdem einer gewissen natürlichen Se­ligkeit teilhaftig werden. Augustinus war der Ansicht, daß es einen völlig schmerzlosen Nichtbesitz der ewi­gen Gottesschau nicht geben könne. Die thomasische These von einer gewissen natürlichen Vollendung wurde Gerneingut der neuzeitlichen Theologie nach dem Konzil von Trient (R. Bellarmin lehnte sie ab). Nach dieser These muß man den von der Schrift ge­nannten Zuständen der ewigen Vollendung und der ewigen Nichtvollendung einen dritten, nämlich den Zustand einer natürlichen Erfüllung, hinzufügen. Diese Ansicht scheint in der Tat einen Ausweg aus einer äu­ßerst bedrückenden Problematik zu bieten. Sie leidet jedoch daran, daß der Schrift und auch der ältesten Väterzeit ein solch dritter Zustand unbekannt ist. Sei­ne Annahme ist das Ergebnis einer nicht zwingenden Spekulation.

  

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