8.
Kapitel
Die
Notwendigkeit der Taufe
1.
Schrift und Väter
In
der Jerusalemer Urgemeinde wurden, wie wir aus der ersten Predigt des Petrus (Apg
2,14-36) sehen, Glaube und Taufe ohne weitere Reflexion als die Heilswege und
die Heilsmittel betrachtet. Es lag außerhalb des Gesichtskreises der
Urgemeinde, daß es etwa andere Heilswege geben könnte. Diese Überzeugung stützte
sich offensichtlich auf die Anweisung Jesu selbst, nach welcher die Jünger
seine Botschaft verkündigen, die Glaubenden taufen und die Getauften weiter
in die Geheimnisse des Reiches Gottes einweihen sollten (Apg 2,38; Mt28,20; Mk
16,15f; Joh 3,5).
In
der Väterzeit fiel die Lehre von der Notwendigkeit der Taufe zusammen mit jener
von der Notwendigkeit der Kirchengliedschaft. Die Überzeugung war so stark, daß
man die Taufe im dritten und vierten Jahrhundert vielfach auf das Sterbebett
verschob, um die in ihr erlangte Entsündigung und Heiligung nicht mehr zu
verlieren. Gegen diese aus einer echten Heilssorge geborene Unsitte erhob sich
in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts energischer Widerspruch, z, B.
durch Kyrill von Jerusalem und Augustinus.
2.
Geschichtliche Thesen
In
den Bereich der Reflexion trat die Lehre von der Taufnotwendigkeit ein, als die
Pelagianer behaupteten, daß es auch ohne die Taufe ewiges Leben, wenn auch
nicht das Himmelreich geben könne. Die Wal-
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denser (12.
Jahrhundert) hielten die Kindertaufe für überflüssig. Luther erachtete auch
die Kindertaufe als ein wirkliches Heilsmittel, wenngleich es für ihn nicht
leicht war, die Taufe mit seiner Lehre, daß der Glaube allein heilskräftig
sei, in Einklang zu bringen. Calvin lehnte die Kindertaufe entschieden ab. Er
hat sie aufgrund seiner theologischen Voraussetzungen ablehnen müssen. Im
heutigen Protestantismus wird sie viel und gegensätzlich diskutiert.