b) Spannung zwischen Gegenwart und Zukunft

»In der Doppelgeleisigkeit der paulinischen Aussa­gen, die bald das gewonnene Heil beschreiben, so als ob schon alles geschehen sei, bald zu ethischer An­strengung mahnen, so als ob noch alles geschehen müsse, zeichnet sich jene Besonderheit der eschatolo-gischen Situation ab, die darin besteht, daß der Christ in zwei Zeiten lebt. Das Heil ist da, aber es ist noch nicht in Vollendung da. Die Dialektik von Indikativ und Imperativ ist notwendige Konsequenz dessen, daß Ostern zwar die Auferstehung brachte, aber noch nicht die Parusie« (O.Kuss, Der Römerbrief, Regens­burg 1957 - 59,314f).

Besonders aufschlußreich ist der erste Petrusbrief. Er wird von einigen Exegeten, sei es in seiner Gänze, sei es in den wichtigsten Details als Taufpredigt ver­standen (siehe besonders 1 Petr 3,21-46). Der Brief er­innert an die Rettung der in der Arche aufgenomme­nen Menschen durch das Wasser der Flut hindurch und sieht darin einen Typus der Rettung durch das Taufwasser, Die Wirkung der Taufe besteht nach dem ersten Petrusbrief darin, daß die Getauften im künfti­gen Gericht gerettet werden.

Die Taufe wird gespendet als Bad in reinem Wasser und mit einem Gebet um Sündenvergebung. Das Ge­bet ist der Erhörung gewiß, weil es in dem Heilsge­schehen der Auferstehung Christi begründet ist und dieser als der erhöhte Herr die Kirche mit seinen Heils-

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kräften durchströmt. Ähnlich wie Paulus fordert der erste Petrusbrief (1,13-2,25) mit Nachdruck, daß die Getauften als solche leben, denen die Sünde vergeben ist. Der Christ muß sein Leben nach dem Vorbild des leidenden Christus gestalten. Die Heiden nehmen zwar daran Anstoß, daß sich die Christen nicht mehr an ih­ren zuchtlosen Werken beteiligen. Die Christen muß­ten sich in der Tat von ihren bisherigen gesellschaftli­chen Lebenskreisen weithin zurückziehen, wenn sie den Sinn der Taufe durchhalten wollten. Sie trennten sich nicht bloß von der heidnischen Religion und den heidnischen Lastern, sondern oft auch von ihren bis­herigen sozialen Kreisen. Sie beteiligten sich nicht mehr an den öffentlichen Festen, da diese meist mit kultischen Feiern verbunden waren. Die Heiden waren hierüber befremdet, ja erzürnt. Sie erfanden daher Verdächtigungen und Verleumdungen. Petrus fordert seine Leser auf, sich dadurch nicht beirren zu lassen.

  

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