g)
Gott die Hoffnung des Getauften
Nach
der Stelle im Epheserbrief wohnt Jesus Christus in dem Herzen des Christusgläubigen
durch den Glauben. Im Glauben gibt nämlich der Mensch seine Selbstherrlichkeit
auf, geht über sich hinaus und öffnet sich für Gott. Er anerkennt sich
darin als Sünder, der der Rettung bedarf. Er bejaht zugleich den Vater Jesu
Christi, der Jesus von den Toten erweckt hat, als den alleinigen Retter. Er
setzt also seine Hoffnung um des auferstandenen Jesus Christus willen auf den Vater.
Diese Selbstüberschreitung des Menschen auf Gott hin ist die (wieder gnadenhaft)
von Gott gewirkte menschliche Antwort auf die Verkündigung und Bezeugung der
Auferweckung Jesu Christi von den Toten. Sie setzt die Verkündigung durch das
Glaubenswort der Kirche voraus. In der Verkündigung bewegt sich der Vater
durch Jesus Christus und so dieser selbst auf den Menschen zu, der die Botschaft
hört. In der Predigt öffnet sich das Mysterium der Erlösung für den Hörer,
so daß er in dessen Wirklichkeit eingehen kann. Dadurch, daß er im Glauben
sich selbst in dieses Mysterium hinein überschreitet, läßt er die Heilsmacht
Jesu über sich mächtig werden. So bedeutet das Bild vom Wohnen Jesu Christi im
Getauften soviel wie die Heilsherrschaft Jesu Christi über ihn. Im Glaubenden
herrscht nicht mehr das eigene Selbst, sondern Jesus Christus. Der Glaubende ist
nicht sein eigener Herr, weil Jesus Christus sein Herr geworden ist.
h)
»Insein« in Christus
Was
das Bild vom Sein des Menschen »in« Jesus Christus betrifft, so bedeutet es
der Sache nach das gleiche wie das erste Bild. Es zeigt nur die Heilsbewegung
in einer umgekehrten Richtung. Die von Christus
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durchherrschten
Menschen werden von den Lebenskräften des Auferstandenen durchdrungen. Jesus
nimmt sie in sein eigenes Auferstehungsleben auf. In der Teilnahme am Leben
Christi erfüllt sich der Sinn des Lebens Christi im Menschen. Rein quantitativ
überwiegt bei Paulus die Formel »in Jesus Christus« die erste bei weitem. Sie
kommt mehr als 160 mal vor. Gerade diese Formel stellt ein Leitmotiv der
paulini-schen Tauftheologie, ja der gesamten paulinischen Theologie dar. Dies läßt
sich so formulieren: Was an Christus geschah, geschieht am Christen.
Christliches Leben ist Teilnahme am Heilsleben Jesu Christi. Paulus sieht
diese Tatsache im Taufvorgang selbst ver-sinnbildet.
Es
sei eine der aufschlußreichsten Stellen für die paulinische Tauftheologie im
Wortlaut angeführt. Sie steht im Römerbrief (6,1-11): »Was werden wir also für
einen Schluß ziehen? Laßt uns in der Sünde verharren, damit die Gnade sich
mehre? Niemals. Wir alle, die wir der Sündenmacht gestorben sind, wie ist es
möglich, daß wir noch weiter in ihr leben? (Das ist doch unmöglich). Oder wißt
ihr nicht, daß wir alle, die wir auf Jesus Christus getauft wurden, auf seinen
Tod getauft wurden? Mitbegraben also wurden wir mit ihm durch die Taufe in den
Tod, damit, wie Christus von den Toten auferweckt wurde durch die Machtfülle
des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir wirklich
Zusammengewachsene geworden sind mit dem Gleichbilde seines Todes, so werden
wir es doch auch mit dem seiner Auferstehung sein.«