3. Von Isidor von Sevilla bis Hugo von St. Viktor

 

Einen weiteren Schritt in der Entfaltung der Sakra­mentsvorstellung tat Isidor von Sevilla (gest. 636). Er unterscheidet noch stärker als Augustinus das Zeichen und die bezeichnete Wirklichkeit. Er trennte zwar die beiden nicht voneinander, aber er eröffnete den Weg dazu.

Eine weit entwickelte Sakramentsauffassung be­geg­net uns bei Hugo von St. Viktor (gest. 1141). Nach ihm ist das Sakrament ein sinnenfälliges Ding, welches aufgrund seiner Ähnlichkeit mit der Heilswirklichkeit infolge der Bestimmung Christi und der ihm zuteil ge­wordenen Heiligung eine geistliche Gnade sowohl dar­stellt als auch enthält. Die Gnade ist, wie Hugo in einer massiven Vorstellung sagt, im Sakrament enthalten wie in einem Gefäß. Für das Sakrament sind also nach Hugo drei Komponenten wichtig: die Fähigkeit eines materiellen Dinges, Geistiges zu versinnbilden, die Ein­setzung durch Christus, aufgrund deren das Zeichen die Gnade darstellt, und endlich die Heiligung des Zei­chens und die Anwendung durch den Priester, so daß das Zeichen tatsächlich Gnade spendet, weil es Gnade »enthält«.

 

4. Petrus Lombardus (gest.  1160)

 

Petrus Lombardus geht darüber hinaus, indem er das Sakrament nicht nur als Zeichen, sondern auch als die Ursache der Gnade versteht. Dabei spricht er so allgemein vom Zeichen, daß dieses Wort auch für Handlungen zutrifft, nicht nur für Dinge. Thomas von Aquin hat für die Erklärung des Zeichens die aristoteli­schen Ausdrücke Materie und Form angewandt, wo­bei das Wort als Form und das Ding als Materie be-

 

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zeichnet werden. Diese Vorstellung vermag in der Tat mancherlei Klärungen zu bringen, bietet aber dort kaum überwindliche Schwierigkeiten, wo kein eigentli­ches Ding vorhanden ist, wie z. B. in dem Bußsakra­ment oder in dem Ehesakrament. Seine Erklärung wur­de für die Folgezeit, auch für die Lehre des Konzils von Trient maßgebend.

Eine wichtige Erkenntnis gewann das 12. Jahrhun­dert dadurch, daß es zu unterscheiden begann zwi­schen dem opus operatum und dem opus operans (siehe S.20ff). Außerdem wurde im gleichen Jahrhun­dert aufgrund einer langen theologischen Entwicklung der Begriff »Sakrament« auf jene sieben heiligen Riten beschränkt, welche wir Sakramente zu nennen pfle­gen. In der Zeit Tertullians hatte das Wort noch eine weitere Verwendung. Sakramente hießen damals z. B. der christliche Glaube im allgemeinen, die einzelnen Glaubenswahrheiten, die Glaubensbekenntnisse, ein­zelne Heilstatsachen, auch jene Hand­lungen und Vor­gänge, für die später das Wort Sakrament reserviert wurde. So konnte sich im ersten Jahrtausend die Leh­re von der Siebenzahl nicht entwickeln.

 

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