3. Die religionsgeschichtliche These

 

Den zweiten Rückverweis der kirchlichen Sakra-mentalität sehen die Vertreter der religionsgeschichtli­chen Schule in der Richtung auf den heidnischen Hel­lenismus, insbesondere wurde nach ihr durch Paulus die Sakramentsvorstellung als ein Fremdkörper in die christliche Gedankenwelt eingetragen. Die religionsge­schichtliche Schule weist vor allem auf die Taufe und auf das Abendmahl hin. Diese beiden Vorgänge wer­den von ihr als nichtsakramentale Handlungen erklärt. Paulus läßt in der Tat, wie wir sogleich noch genauer sehen werden, Beziehungen zu den Mysterienkulten erkennen. Sie sind jedoch höchstens sprachlicher, nicht aber inhaltlicher Art. Gerade Paulus versteht un­ter dem Mysterium den verborgenen Heilsplan, den Gott durch Christus geoffenbart hat. Unter den »My­sterien« hingegen, die vom 7. vorchristlichen bis zum 4. nachchristlichen Jahr­hundert lebendig waren, sind solche kultische Feiern zu verstehen, in denen das Le­ben, das Sterben und das Wiedererstehen einer mythi­schen Gottheit gefeiert wurde, damit den Anwesen­den durch die Teilnahme Heil und Lebenskraft vermit­telt werde. Der Grundgegensatz zu der paulinischen Sakramentenvorstellung liegt in der jeweiligen Gottes­vorstellung. Paulus kennt nur den personhaften Gott, die mythischen Götter sind jedoch personifizierte Na­turkräfte.

 

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Wenn diese religionsgeschichtliche Schule auch heute ihren Einfluß bis zu einem gewissen Grad verlo­ren hat, so tritt sie dennoch in manchen Nachwirkun­gen hervor (siehe J. Ratzinger).

 

 

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