2.
Die paulinischen Texte
a)
1 Kor 11
aa)
Die Situation in Korimh
Paulus
schildert zunächst die Situation bei den Eu-charistiefeiern in Korinth. Die
reichen und sozial hochgestellten Korinther sollten die für das Sättigungsmahl,
mit welchem die eucharistische Feier in jener Zeit noch verbunden war, nötigen
Speisen zur Verfügung stellen. Das Sättigungsmahl sollte also zugleich
Armenhilfe sein. Sie kamen indes lange bevor die Armen, die Arbeiter und die
Sklaven sich einfinden konnten und begannen zu essen und zu trinken. Wenn die
sozial und wirtschaftlich niedrig gestellten Gemeindemitglieder nach
Verrichtung ihrer Tagesarbeit eintrafen, waren die anderen, wie wir aus Paulus
ersehen können, schon betrunken. Die Armen gingen leer aus. Ja, sie mußten das
Treiben der anderen ohnmächtig mitmachen. Das Gewissen der reichen Korinther
wurde durch dieses Vorgehen nicht beschwert. Sie konnten sich ja sagen, daß
die Hauptsache, nämlich die Eucharistie, den Armen nicht vorenthalten wird.
Paulus freilich beurteilt dies Vorgehen nicht nur als antisozial, sondern als
Verachtung der Gemeinde Jesu Christi. Das Herrenmahl soll ja in seiner Ganzheit
eine Selbst-
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darstellung
der Kirche sein und darüber hinaus Heil vermitteln, indem es tiefer in Christus
eingliedert und die Brüderlichkeit in der Gemeinde stärkt. Diesem Sinne des
Herrenmahles schlägt das Verhatten der reichen Korinther in das Gesicht. Es
ist für Paulus eine Frage, ob das »Herrenmahl« unter solchen Umständen überhaupt
zustandekommt. Er zweifelt zwar nicht daran, daß sich Eucharistie vollzieht,
fürchtet aber, daß der Sinn des Ganzen verfehlt wird.
Um
seinem Tadel den nötigen Nachdruck zu geben, zitiert Paulus den den Korinthern
bekannten, in eine feste Form gefügten, ihm selbst »überlieferten« und von
ihm auf seiner ersten Missionsreise in Korinth weitergegebenen, in seinem
Kerne von Christus herkommenden Einsetzungsvorgang. Danach ist es der Herr
selbst, welcher das eucharistische Tun bestimmt. Die Korinther verfehlen sich
daher nicht nur gegen eine Anweisung des Apostels, sondern gegen eine Anweisung
Jesu selbst.