15.
Kapitel
Die
Lehre der Orthodoxie
In
den orthodoxen Kirchen des Ostens wurde die Lehre von der Siebenzahl der
Sakramente seit der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts immer mehr übernommen. Es
besteht jedoch sowohl in der russischen als auch in der griechischen Theologie
die Meinung, man müsse einen weiteren Sakramentsbegriff zugrundelegen und könne
daher die Zahl der Sakramente nicht verbindlich festlegen. Eine beträchtliche
Rolle für die allmähliche Übernahme der lateinischen Sakramententheologie
durch die griechischen Theologen spiel-
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te
Pseudodionysius um 500. Er zählt sechs Riten auf, von denen er jeden ein
Mysterion nennt: Taufe und Firmung, Eucharistie, Myronweihe, Priesterweihe, Mönchsweihe,
Begräbnisfeier. Er will jedoch nicht die Zahl der Sakramente bestimmen, sondern
jene heiligen Zeichen herausstellen, welche am meisten zur Erleuchtung und
Reinigung beitragen. Der Mönch-Theologe Job aus der zweiten Hälfte des 13.
Jahrhunderts zählt sieben Sakramente, will aber andere heilige Zeichen nicht
beiseite lassen. Unter den sieben Sakramenten nennt er auch das ihm sehr
wichtige »heilige Gewand«. Da er Krankenölung und Bußsakrament als ein
einziges Sakrament zählt, gerät er nicht über die Siebenzahl hinaus. Eine
Festigung fand die Lehre von der Siebenzahl innerhalb der Ostkirchen durch die
Auseinandersetzung mit den Reformatoren. Als im Jahre 1573 dem Patriarchen
Jeremias II. von Konstantinopel von den Lutheranern die Confessio Augustana
und andere Glaubensdokumente übersandt wurden, bekannte er sich in seiner
Antwort vom Jahre 1576 ausdrücklich zur Siebenzahl. Besondere Bedeutung kommt
in diesem Zusammenhang zwei Synoden von Konstantinopel (1638 und 1642) sowie der
Synode von Jerusalem (1672) zu, welche gegenüber den reformatorischen Thesen
die Lehre von sieben Sakramenten als Lehre der Kirche erklärten. Auch in den
Ostkirchen spielt für die Festsetzung der Siebenzahl die Symbolik eine große
Rolle. Die sieben Sakramente entsprechen in diesem Symboldenken den sieben
Tugenden, den sieben Gaben des Heiligen Geistes, den sieben Säulen der
Weisheit, den sieben Trompeten, durch deren Ertönen Jericho gefallen ist, den
sieben Lampen, welche der Prophet Jeremias gesehen hat, den sieben Sternen der
Geheimen Offenbarung, den sieben Waschungen Naamans im Jordan, den sieben
Arten von Arbei-
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tern
im Weinberg, den sieben Gaben der Seligen im Himmel. Sie sind Heilmittel gegen
die sieben Hauptsünden (J. Finkenzeller, a.a.O., 1022-1026).