5. Die Kirche als Vollzeichen des Heils

 

Die Kirche erscheint als Vollzeichen des Heils dort, wo sie nicht nur das eine oder andere, wenn auch noch so wichtige Element der christlichen Botschaft, sondern diese in ihrer ganzen Fülle annimmt. Aber auch in den heilshaften Teilzeichen, d.h. in jenen Kir­chen, in denen die Fülle des Glaubens bzw. die Ein­ordnung in die von Christus bestimmte sozial-hier­archische Ordnung nicht im vollen Maße vollzogen wird, wird Heil vermittelt. Hierbei ist es von größter Bedeutung, daß das Vollzeichen nicht nur äußerlich als solches erscheint, sondern von innen her mit dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe erfüllt ist. Dies bedeutet mit anderen Worten, daß die Kirche ihrer Aufgabe um so mehr gerecht wird, je stärker und in­tensiver sie wird, was sie ist, nämlich die von Christus

 

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im Heiligen Geist durchherrschte Gemeinschaft, so daß die Anwesenheit Jesu Christi auf ihrem Antlitz im­mer deutlicher erscheint. In ständiger Selbstreform streckt sich die Kirche eschatologisch der gesamten Menschheit entgegen.

Das II. Vatikanische Konzil erklärt (Konstitution über die Kirche, Art. 9); »Seine (des Gottesvolkes) Bestim­mung endlich ist die weitere Ausbreitung des Gottes­reiches, das von Gott selbst auf Erden grundgelegt ist, das sich weiterentfalten muß, bis es am Ende der Zei­ten von ihm auch vollendet werde, wenn Christus, un­ser Leben (vgl. Kol 3,4), erscheinen wird und ,die Schöpfung selbst von der Knechtschaft der Vergäng­lichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes befreit wird' (Röm 8,21). So ist denn dieses messiani-sche Volk, obwohl es in Wirklichkeit nicht alle Men­schen umfaßt und gar oft als kleine Herde erscheint, für das ganze Menschengeschlecht die unzerstörbare Keimzelle der Einheit, der Hoffnung und des Heiles. Von Christus zur Gemeinschaft des Lebens, der Liebe und der Wahrheit bestellt, wird es von ihm auch als Werkzeug der Erlösung angenommen und als Licht der Welt und Salz der Erde (vgl. Mt 5,13-16) in alle Welt gesandt.«

Die Berufung der Kirche, Wort und Zeichen des in der menschlichen Geschichte durch Christus im Heili­gen Geist immerfort anwesenden und heilschaffenden Gottes zu sein, würde nicht nur durch die Sünde, durch die menschliche Selbstsucht, durch Habgier, durch Herrschbegierde, Unaufrichtigkeit verdeckt, sondern auch durch eine einseitige kulturelle Bindung, etwa durch die Bindung an die europäische Kultur oder an bestimmte soziale oder ökonomische Klassen oder auch durch Bindung an veraltete Formeln und Formen.

 

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