1. Die Apostelgeschichte

Die eucharistischen Texte sollen nicht in der zeitli­chen Reihenfolge der Entstehung der sie enthaltenden Schriften, sondern unter dem Gesichtspunkt der in ih­nen verarbeiteten Überlieferungsgeschichte dargebo­ten werden. Dabei zeigt sich zugleich ein je verschie­denes Verständnis der Eucharistie. So wird von vorneherein die Stelle sichtbar, welche die einzelnen Zeug­nisse in dem Prozeß der Entfaltung des Eucharistieglaubens innerhalb der apostolischen Zeit einnehmen. Wenn die Apostelgeschichte auch erst in den Achtzi­gerjahren des 1.Jahrhunderts verfaßt wurde, so ent­hält sie doch das ursprüngliche Kerygma, so daß sie uns älteste Traditionen bietet (vgl. Apg 20,7-11).

Daß der Stiftungsauftrag Jesu von den Seinen ver­standen und ausgeführt wurde, wird insbesondere durch zwei Berichte der Apostelgeschichte bezeugt. Die aufgrund der Petruspredigt gläubig gewordenen Dreitausend verharrten in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in Gebeten (Apg 2,42). Als Paulus in Troas war, hielt er an die zum Brotbrechen Versammelten eine sich bis zur Morgendämmerung hinziehende Ansprache (Apg 20,7-11). Den Lesern der Apostelgeschichte war der Ausdruck »Brotbrechen« so geläufig, daß er keiner Er­klärung bedurfte. Er bezeichnet eine Feierhandlung. Er war offensichtlich ein Fachausdruck geworden, der

 

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nicht nur den Akt des Brotbrechens benennen sollte, sondern die ganze Feier als eine Mahlfeier kennzeich­nete. Außerhalb des biblischen Schrifttums begegnet uns diese umfassende Bedeutung des Ausdrucks nir­gends. Auch in der Heiligen Schrift wird das Wort ge­legentlich verwendet, um einen einzelnen Akt, eben das Teilen und Verteilen des Brotes, zu kenn­zeichnen (Mt 14,19; Mk 6,41; Lk 9,16; 14,31; Mt 26,26; Mk 14,22; Lk 22,19; 1 Kor 10,16; 11,24). Der Ausdruck wird auch im nachapostolischen Schrifttum zur Be­zeichnung der gesamten Eucharistiefeier verwendet (z. B. Ignatrus von Antiochien, Brief an die Eph 20, 2 V; die Didache, 14). (Daß die Stelle Lukas 24,30 eine Eucharistiefeier bezeichnet, muß verneint werden: Emmausjünger). Die Bibel enthält ausdrücklich sechs eucharistische Texte: Mk 14, 17-21; Mt 26, 17-30; Lk 22, 7-23; Joh 6, 26-63; 1 Kor 11, 17-34; 10, 14-32.

 

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