4.
Alle Menschen »potentielle«,
keine
anonymen Christen
In
Jesus Christus ist das von Gott gestiftete Heilszeichen als individuelle
Gestalt gegenwärtig, die allerdings die gesamte Menschheit vor Gott repräsentiert.
In der Kirche, welche durch die Heilstat Jesu Christi gesammelt worden ist, die
im Heiligen Geist geeint und in der rettenden Liebe des himmlischen Vaters geborgen
ist, hat das immer gegenwärtige Heilszeichen die Gestalt eines sozialen Gefüges.
Dies ist verständlich insofern dieser eine Jesus Christus in der Gemeinschaft
durch den von ihm gesandten Heiligen Geist gegenwärtig ist. Diese
Gemeinschaft lebt von seinem Fleisch und Blut. Sie bildet so sehr eine brüderliche
Einheit, daß Paulus geradezu sagen kann, sie sei selber »einer« in Christus
Jesus (Gal 3,28). Durch diesen Einen, durch die um Christus im Heiligen Geist
gesammelte neue Menschheit, wirkt Gott das Heil für alle Menschen. Bis zum
Ende der Zeiten soll die Kirche für jede Generation, für jedes Volk, für
jeden Einzelnen das wirksame himmlische Heilszeichen sein. Sie ist allen
Menschen zugeordnet, und alle Menschen sind ihr zugeordnet. In diesem Sinne kann
man von jedem Menschen sagen, daß er ein »potentieller« (nicht anonymer)
Christ ist. Die Meinung, daß alle Menschen der großen Weltreligionen, wenn sie
ethisch-morali-
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sches
Niveau haben, »anonyme« Christen sind, läßt sich mit der Schrift von der
Bedeutung der Taufe nicht in Einklang bringen und reduziert die immanenten
Heilsmöglichkeiten der großen Weltreligionen, indem sie deren Angehörige für
das Christentum vereinnahmt. Anders K. Rahner, In Sorge um die Kirche.
Schriften zur Theologie, Bd. 14, bearb. von P. Imhof, 1980 und durchgehend.
Durch
die Taufe und durch den Glauben, der die Antwort auf die Verkündigung und auf
das Christuszeugnis der Kirche ist, wird der potentielle Christ ein wirklicher
Christ. Die Kirche kann das Heilszeichen umso mehr sein, je deutlicher sie
Christus zur Erscheinung bringt. Es entspricht auch der leiblich-seelischen
und der sozial-geschichtlichen Grundverfaßtheit des Menschen, wenn Gott sich
ihm auf dem sakramentalen Wege der Kirche mitteilt.