2. Vielzahl der Sakramente in der Väterzeit

 

Der erste Schritt war die Bezeichnung von Taufe und Eucharistie als Sakramente durch Tertullian um die Wende vom 2. zum 3.Jahrhundert. Da die Fir­mung lange Zeit eng mit der Taufe verbunden war und mit dieser den einheitlichen Aufnahmeritus in die Kir­che darstellte, hat es lange Zeit gedauert, bis die Fir­mung als eigenständiges Sakrament erkannt wurde. Isidor von Sevilla (gest. 633) zählte vier Sakramente auf: Taufe, Firmung (Chrisma), Leib Christi, Blut Chri­sti (indem er die Eucharistie als zwei Sakramente zähl­te). Von Cyprian und Augustinus wird auch der Ordo Sakrament genannt. Bei dem weiten Sakramentsbe­griff dieser Theologen hat dies allerdings keine zu gro­ße Bedeutung. Die Buße wird in der Alten Kirche kaum Sakrament genannt. Der Grund lag wohl darin, daß das lange und umständliche Verfahren sich nicht in den Sakramentsbegriff der Zeit einfügen ließ. Es fehlt auch das von Augustinus für die Konstitution des Sakramentes als notwendig erachtete »Ding«. Man konnte höchstens die durch Handauflegung und zum Teil durch Ölsalbung erfolgte Rekonziliation Sakra­ment nennen. Für Augustinus ist jedoch das eigentli­che Sakrament der Sündenvergebung die Taufe. Den Bußritus sah man in innerer Beziehung zur Taufe, in­sofern er die Taufgnade wiederherstellte. Die Kranken­ölung wurde ebenfalls nicht als Sakrament bezeichnet. Da die Buße vielfach bis an das Lebensende verscho­ben und auch bei der Rekonziliation die Ölsalbung vor­genommen wurde, war es schwierig, sie als eigenes Sakrament zu erkennen. Die Ehe wurde zwar im An­schluß an Eph 5,32 mit dem Worte Sakrament be­dacht. Trotzdem gibt es in der Väterzeit kein ausdrück­liches Zeugnis für die Sakramentalität im Sinne der

 

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späteren kirchlichen Lehre. In der Mailänder Kirche und wohl nur in ihr wurde im Anschluß an einen Am-brosiustext die Fußwaschung als Sakrament bezeich­net.

Zusammenfassend muß man sagen: Infolge der Un­bestimmtheit des Sakramentsbegriffs war es in der Vä­terzeit nicht möglich, die Sakramente erschöpfend aufzuzählen. Wenn Taufe, Firmung und Eucharistie als zwei oder drei oder auch vier Sakramente genannt wurden, so ist dies zu verstehen als die Betonung der Heilsmächtigkeit dieser »Mysterien«. Auf manche von der Kirche in die Liturgie eingeführten im Sinne der späteren Lehre nichtsakramentale Riten läßt sich die augustinische Bestimmung des Sakramentes leichter anwenden als auf einige, später von der Kirche als Sa­kramente definierte Handlungen.

In der Periode vom Ende der Väterzeit bis zum 12. Jahrhundert (Frühscholastik) begegnet uns gele­gentlich die Meinung, daß man möglichst viele Sakra­mente annehmen müsse. Petrus Damiani (gest. 1072) nennt zwölf. Auf der anderen Seite allerdings zählt er Taufe, Eucharistie und Ordination zu den »Hauptsa­kramenten«.

 

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