6. Vergleich der Texte

 

a) Zwei Textgruppen

Die die einzelnen Texte unterscheidenden und für jeden charakteristischen Merkmale haben im Laufe der theologischen Prüfung dazu geführt, einen petrinischen bzw. antiochenischen und einen paulinischen »Bericht« zu unterscheiden. Der petrinische Text be­gegnet uns nach dieser Vorstellung im Markus- und im Matthäus-Evangelium, der paulinische im Lukas-Evangelium und im 1. Brief an die Christengemeinde in Korinth. Der paulinische Text unterscheidet sich vom petrinischen vor allem durch die Hinzufügung des Stif­tungsauftrages: »Tut dies zu meinem Gedächtnis.« Ferner ist zu beachten, daß bei Matthäus und bei Mar­kus der Zusatz zum Brotwort fehlt »für euch« bzw. »das für euch hingegeben wird«. Bei Paulus und Lukas steht dieser Zusatz, bei Paulus ohne das Wort »hinge­geben«. Wichtig ist die Tatsache, daß nach dem pauli­nischen Bericht (Lk) Jesus den Becher nach dem Mah­le nahm, während er ihn nach Matthäus und Markus im unmittelbaren Anschluß an die Verteilung des Bro­tes reichte. Die Eucharistie zerfällt nach Paulus und Lukas durch das dazwischenliegende Mahl in zwei voneinander getrennte Teile. Endlich ist das Wort, das Jesus nach Lukas und Paulus über den Kelch spricht, in charakteristischer Weise verschieden von dem bei Markus und Matthäus berichteten. In der paulinisch-luka­ni­schen Fassung betont Jesus, daß der Becher der Neue Bund ist. Dieser steht allerdings in engem

 

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Zusammenhang mit seinem Blute. Er wird ja begrün­det und immer wieder aktualisiert durch das Blut im Becher. Die Identität von Becher und Blut wird nicht unmittelbar, wohl aber im Prinzip und indirekt ausge­sprochen. Nach Markus und Matthäus wird unmittel­bar und ausdrücklich die Identität von Becher und Blut behauptet. Die Jünger werden bei Markus indirekt (durch die Darreichung des Bechers) aufgefordert, zu trinken. Markus betont darüber hinaus, daß sie wirk­lich aus dem Kelche getrunken haben.

 

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