19.   Trennung und Zusammenhang

von metaempiri­scher Wirklichkeit und

phänomenologischer Erschei­nung

Wenn das hintergründige, metaempirische Wesen verwandelt wird, so verlieren Brot und Wein ihre Sub-stanzialität, ihre ontologische Wesenhaftigkeit, ihren Selbstand, das Sein, den Akt, durch welchen sie selbst bestehen, man könnte sagen: den Akt des Seins.

Wie ist deratiges möglich? Man kann es nur bejahen im Glauben an die schöpferische Kraft Gottes, des ab­soluten Seins. Vielleicht darf man an jene Formen der mittelalterlichen Theologie erinnern, in denen das Sein Gott allein zugesprochen, den Geschöpfen aber abge­sprochen wurde, ohne daß man Gott und Geschöpf pantheistisch in eins zusammenfallen lassen wollte. Man kann in dieser Sicht zwischen Seinsakt und Wirk­lichkeit unterscheiden, ohne allerdings diesen Unter­schied einsichtig machen zu können. Brot und Wein behalten also ihre konkrete, phänomenale Wirklich­keit, verlieren aber im Verwandlungsakt ihr wesenge­bendes Sein.

Hier wird auch ersichtlich, daß die Transsubstantia-tion in dem erklärten Sinne nicht die Gefahr einer Ent-

 

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wirklichung von Brot und Wein mit sich bringt und da­her nicht in die Richtung des Monophysitismus gerät, welcher in Jesus das wahrhaft Menschliche und Ge­schichtliche durch das Göttliche aufgesogen werden läßt. Brot und Wein müssen, wie schon angedeutet wurde, ihre akzidentelle Wirklichkeit bewahren, weil sie sonst nicht mehr Zeichen und Sinnbild des auf­grund der Wesensverwandlung anwesenden Christus sein könnten. Da sie ihr »Selbstsein« verlieren, tritt umgekehrt ihre Zeichenhaftigkeit um so intensiver in das Licht. Die Zweck- und Sinnverwandlung wird durch die ontologische Verwandlung nicht nur nicht gefährdet, sondern hervorgehoben. Nach der Konse­kration sind Brot und Wein infolge ihres »Wesens«-Verlustes in metaphysisch-heilshafter Sicht nur noch Zeichen. Nach dem Grundsatz, daß die sakramentalen Zeichen hervorbringen, was sie bezeichnen, und zwar indem sie es bezeichnen, ist auch im eucharistischen Bereiche die Sinn-Ver­wandlung, die Transsignifika­tion, der Grund der Wesensverwandlung. Sinn- und Wesensverwandlung können im eucharistischen Sa­krament nicht voneinander getrennt werden. Es findet eine durch den Vollzug der Zeichen gewirkte Transrea­lisation statt, welche den Charakter der Transsubstantiation hat.

Es bleibt jedoch dabei, daß die Seinsgegenwart Je-su Christi als Basis für seine dynamische, handelnde Gegenwärtigkeit zu verstehen ist. Der objektive Cha­rakter der letzteren wird durch die metaempirische Verwandlung am meisten gesichert (H. Lais, Probleme einer zeitgemäßen Apologetik, Wien 1956).

Wenn die Verwandlung auch in die metaempirische Tiefe der konkreten Brot- und Weinsubstanz hinab­dringt, so bleibt doch auch ein Zusammenhang. Tho­mas von Aquin sieht diesen in dem geschöpflichen

 

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Sein, das sich wie ein gemeinsames Band um Brot und Wein sowie um Leib und Blut Christi schlingt.

Die kirchliche Lehre von der Transsubstantiation be­wegt sich jenseits der naturalistischen Materialität und der symbolischen Verflüchtigung. Sie nähert sich der Vorstellung von der Seinsweise des Geistes.

Von jedem Evolutionsvorgang ist die in der Euchari-stie geschehende Verwandlung wesentlich verschie­den. Sie erfolgt nicht in einem allmählichen Übergang, sondern in einem Augenblick.

  

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