b) Teilnahme der Kirche am Opfer Jesu in der

    Euchari­stie

 

In der Eucharistie wird das Kreuz Christi als Opfer wirksam. In diesem Sakrament nimmt die Kirche zwi­schen der Geistsendung, welche den ersten Schritt ih­rer Hingabe an Christus und durch Christus an den Va­ter mit sich brachte, und der Wiederkunft des Herrn, welche die Vollendung bringen wird, am Kreuzestode als an der Selbsthingabe Jesu an den Vater und an sei­ner Auferstehung Anteil. Solange das Gespräch der Christusgläubigen mit Gott noch nicht »von Angesicht zu Angesicht« erfolgen kann, ist die Christusgemeinde darauf angewiesen, ihre Hingabe durch Christus im gläubig vollzogenen Zeichen zu verwirklichen. Die Fei­er der Eucharistie durch die Kirche ist die durch die Ge­schichte hindurch sich verwirklichende Aktualisierung jener Opferhingabe, welche Christus am Kreuze als Repräsentant und zugunsten aller Menschen vollzo­gen hat. Das eucharistische Opfersakrament gehört daher zur pilgernden Kirche. Solange die Kirche Pilgerin durch die Geschichte ist, nimmt sie im sakramenta­len Zeichen am Opfertode Christi Anteil, um so immer mehr in ihn selbst, ihr Haupt, hineinzuwachsen und sich immer intensiver dem Vater zu überantworten und so mehr und mehr zu werden, was sie ist, der Leib Christi, das Volk Gottes, welches als Leib Christi exi­stiert.

Wie zu jeder Gemeinschaft die Feier gehört und die­se der Wesensausdruck der Gemeinschaft ist, so ge-

 

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hört zur Kirche die Feier des Heilstodes Jesu. Sie voll­zieht dabei ihre eigene von Christus geschenkte Exi­stenz und erscheint so als Realität, die sich selbst reali­siert.

Jesus hat seine für das Heil des Menschen entschei­dende Opferhingabe, jene Liebestat, deren nicht über­bietbarer Ausdruck sein auf Golgota sich verströmen­des Blut war, der Kirche als seiner Braut zugänglich gemacht, und zwar derart, daß sie, wie er selbst seine Heilstat beim Abendmahl in einem Realsymbol gegen­wärtig setzte, aufgrund seines damals gegebenen Stif­tungsauftrags auch ihrerseits das Kreuzesopfer in ei­nem kultischen Realsymbol gegenwärtig zu setzen vermag. Sie soll auf diese Weise in die Bewegung ein­gehen, durch welche Christus zu seinem Vater gelangt ist. Für das einzelne Glied der Kirche währt die Zwi­schenzeit von der Taufe bis zum Tode. Die Eucharistie ist so für den einzelnen und für die ganze Kirche ein zwischenzeitliches Tun.

In der Eucharistie aktualisiert sich das Kreuzesopfer in einer sakramentalen Vollzugsweise. Die Eucharistie ist das von der Kirche funktional gegenwärtiggesetzte Kreuzesopfer. Das einmalige, nicht wiederholbare und auch einer »Erneuerung« im eigentlichen Sinne nicht fähige geschichtliche Geschehen von Golgota kommt in dem jeweiligen Hier und Jetzt der vielen Meßopfer vielfältig und immer wieder zur heilshaft-sakramentalen Darstellung und Auswirkung. Das Geschehen von da­mals und dort wird jeweils hier und jetzt kultisch auf­gefangen und gefeiert.

Die Eucharistie kann daher die Zuwendung (applica-tio) des Heilstodes Jesu als eines Opfertodes genannt werden. Das Opfer Christi wird zum Kultopfer der Kir­che.

 

 

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