2. Heilsmacht des Wortes

 

Wie wir früher (Bd. 1) gesehen haben, eignet dem Worte Gottes im Alten Testament eine so mächtige Dynamik, daß man es geradezu ein göttliches Tun nennen kann (vgl. Jeremias oder Ezechiel oder Jesa-jas). An diesem dynamischen Charakter des Gottes­wortes der Heiligen Schrift nimmt das Wort der kirchli­chen Verkündigung Anteil. Insofern die Kirche die Kir­che Jesu Christi, des menschgewordenen ewigen Logos ist, ist sie ihrerseits worthaft. Die katholische Kir­che weiß sich nicht nur als Kirche des Zeichens, des Sakramentes, sondern auch und sogar in erster Linie als Kirche des Wortes. Die Verkündigungsaufgabe ist nach dem II. Vatikanischen Konzil ihre primäre Aufga­be. Die Zeichensetzung ist in die Wortaufgabe der Kir­che einbeschlossen, nicht umgekehrt. Die Wortver­kündigung ist die alles umgreifende Wirksamkeit der Kirche. Auch die Zeichensetzung ist im Grunde ge­nommen eine Wortverkündigung, und zwar aus zwei Gründen, einmal, weil erst das Wort zusammen mit dem Ding das sakramentale Zeichen konstituiert und das Wort dabei die entscheidende Bedeutung hat, zweitens aber auch, weil das Zeichen selbst den Sinn der Verkündigung hat.

 

3. Gegenseitige Zuordnung von Wort und Zeichen

 

Das Zeichen ist nach Augustinus ein sichtbares Wort, und zwar derart, daß durch dieses sichtbare

 

26

 

Wort hindurch Gott sich dem Menschen mitteilt. Die­ses Verkündigungszeichen ist infolgedessen ein wirk­sames, nicht bloß ein ansagendes Zeichen. Die Kirche kann zwar in ihrem Worte auch die Absicht verfolgen, zu belehren, aufzuklären, zu berichten. Auch in sol­chen Wortformen ist sie als die an Christus Glaubende engagiert. Auch sie sind daher nicht ohne jede heilshafte Wirksamkeit. Die Verkündigung im eigentlichen Sinne, die Proklamation des auferstandenen Christus, ist jedoch mehr als eine derartige, berichtende und in­formierende Rede. Sie ist gegenwärtigsetzendes Zeugnis.

 

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis Band V-3