7. Kapitel

 

Entfaltung in der nachapostolischen Zeit

 

 

1. Allgemeiner Aufriß

 

Zunächst soll ein kurzer Überblick über die Entwick­lung der Gedächtnisfeier geboten werden. Anfangs wurde wohl entsprechend dem Tun Jesu selbst das gesegnete Brot vor, der Segenskelch nach der Mahl­zeit dargereicht. Nach dem Zeugnis der Synoptiker wurden jedoch diese beiden sakramentalen Elemente schon sehr bald zusammen an das Ende des Sätti­gungsmahls gerückt. In der weiteren Entwicklung wurden sie von diesem völlig losgelöst und mit dem Gebetsgottesdienst am Morgen vereinigt. Diese Ord­nung ist zum ersten Male feststellbar um die Mitte des 2. Jahrhunderts (Justin, Apologia 1,67). Sie hat sich allgemein durchgesetzt. In der Zeit nach Konstan­tin wurde die eucharistische Feier immer reicher aus­gestaltet. Während ursprünglich die Gebete von dem Leiter der Liturgie frei gestaltet wurden, wurden sie vom 4. Jahrhundert an mehr und mehr fixiert. Dieser Prozeß ist etwa um 900 abgeschlossen. Die römische Liturgie wird um 400 greifbar. Sie hat sich unter den vielen Liturgieformen in der abendländischen Kirche durchgesetzt.

Die Zeugnisse für den eucharistischen Glauben und das Glaubensverständnis der alten Kirche werden uns sowohl von der Liturgie als auch von den Vätern dar­geboten. Die eine Art erhellt die andere. Während die schlichten Glaubensaussagen der Väter nur geringe Schattierungen aufweisen, bieten die theologischen Klärungsversuche große Verschiedenheiten. Am aus-

 

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führlichsten äußern sich unter den griechischen Vä­tern Chrysostomus und Kyrill von Alexandrien, bei welchem die alexandrinische Eucharistielehre ihren Höhepunkt erreicht.

Prinzipiell ist zu sagen, daß im großen ganzen die griechischen Theologen als das Formalprinzip der Eucharistie die Anamnese, das Gedächtnis Jesu, bezeich­nen. Dies bedeutet, daß sie sowohl die Identität der Eucharistie mit Jesus als auch mit seinem Heilstun leh­ren (bis zum 5. Jahrhundert vielleicht nicht ohne Ein­fluß der platonischen Bildtheorie, nach welcher Bild und Urbild in einem gewissen Sinne identisch sind, in­sofern im Bild das Urbild erscheint). Das Gedächtnis begründet den Opfercharakter. Aus diesem wird die Realpräsenz erklärt. Diese wird in Analogie zur Seins­struktur des historischen Jesus ausgelegt. Die Eucha­ristie wurde vielfach im Anschluß an Joh 6 als Verlän­gerung der Inkarnation verstanden (z. B. Justin, Apo. 1,66; Eirenaios, Adv. haer. V, 2,3; Klemens von Ale­xandrien, Pädag. 11,2). Das Todesgedächtnis tritt in Alexandrien zurück. Nach den alexandrinischen Theo­logen eignet sich der Logos das Brot und den Wein als die zu ihm gehörenden Elemente an. So ist die Eu­charistie wesentlich Leib, Fleisch des Logos. Die Antiochener identifizierten den wirklichen, aus Maria ge­borenen, gekreuzigten und auferstandenen Leib und das vergossene Blut mit dem eucharistischen Christus. Die alexandrinischen Theologen sehen die Würde und den Heilswert der eucharistischen Gaben darin, daß sie Leib und Blut des Logos sind und die Gemeinschaft mit ihm herstellen. Der christologische Horizont führt im 5. Jahrhundert bei manchen antiochenischen Theo­logen zu einer Konsubstantiationslehre. Danach ent­spricht der unverwandelten menschlichen Natur in Je­sus der unverwandelte Fortbestand des Brotes und

 

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des Weines in der Eucharistie. Die Konsekration be­wirkt nach dieser These die Bereicherung von Brot und Wein mit dem Heiligen Geiste und ihre Benen­nung als Leib und Blut Jesu Christi.

In einem großen Aufriß kann man sagen, daß im 1.Jahrtausend der Kirche der Akzent stärker auf der Akt-Gegenwart, auf dem Geschehenscharakter der Eucharistie, im 2. Jahrtausend, namentlich aber seit dem Konzil von Trient, auf dem gegenständlichen Ele­ment, d.h. auf der Realität des Leibes und Blutes Jesu Christi, also Jesu Christi, lag, während in der Gegen­wart eine Synthese von Aktgegenwart und Wesensge­genwart mit besonderer Betonung der Aktgegenwart gesucht wird. In dieser Entwicklung des eucharistischen Glaubensverständnisses wurde von den alexandrinischen Theologen mehr der christologische, von den antiochenischen mehr der soteriologische Ge­sichtspunkt (das Heilstun Christi) in das Licht gerückt.

 

  

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