2.
Kapitel
Der
Sinn der Gesamtsakramentalität
1.
Die sprachliche Formulierung
nach
dem II. Vatikanischen Konzil
Das
Wort »Sakrament« findet, wie J. Ratzinger bemerkt, heute nur schwer Verständnis
bei den Menschen. Es ist fast zu einem Rätselwort geworden. Dies ist umso
verhängnisvoller und bedarf umsomehr einer Aufklärung, weil es in der
kirchlichen Lehre und Praxis nach wie vor eine zentrale Rolle spielt. Die
Hoffnung mancher katholischer Theologen, daß es einmal eine nur worthafte,
nicht mehr sakramentale Kirche geben wird, beruht auf einer Illusion, da die
Sakramente in ihrem Kern aus der apostolischen Zeit, ja von Christus stammen.
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Zudem
hat das II.Vatikanische Konzil, das ausdrücklich ein Pastoralkonzil sein
will, d.h. die Menschen zu ihrem Heile mit seiner Verkündigung erreichen
will, gerade die Grundsakramentalität der gesamten Kirche im weitesten Sinn
mit Nachdruck hervorgehoben. Man darf wohl sagen, daß dies die wichtigste
Aussage des Konzils ist. Alle sonstigen Erklärungen über die Kirche sind durch
diese seine Erkenntnis bestimmt. Sie ist der Schlüssel für das neue
Kirchenverständnis des Konzils.
Es
nimmt damit eine Kirchenvorstellung auf, welche die biblische und die
patristische Ekklesiologie beherrschte, wenngleich das Wort, die Kirche sei
ein Sakrament, in der Schrift überhaupt nicht und bei den Vätern selten
vorkommt. Im vorigen Jahrhundert haben J. A. Möhler und J. H. Oswald die
Sakramentalität der Kirche betont. Der letztere sagt: »Die Kirche als das
allgemeine Mittel der Heiligung, als die Heiligungsanstalt, das ist die Kirche
zwar in ihrer sichtbaren Erscheinungsform; aber durch den unsichtbar wirkenden
Heiligen Geist getragen, ist sie nicht so sehr ein Sakrament als vielmehr das
christliche Sakrament zu nennen. Die Kirche selbst ist das Sakrament als Heilsmittel
im umfassendsten Sinne des Wortes« (Die dogmatische Lehre von den Heiligen
Sakramenten der Katholischen Kirche l, Münster 18942, 12f). In den
Jahren vor dem Konzil wurde diese Sicht in der Theologie in mannigfachen
Formulierungen entwickelt. Insbesondere wirkte in dieser Richtung die Enz. »Mystici
corporis« Pius XII., ohne daß die Bezeichnung der Kirche als Sakrament
gebraucht wurde.
In
der sprachlichen Formulierung ist das Konzil zunächst zurückhaltend,
insofern es in der Konstitution über die Kirche (Art. 1) erklärt, daß die
Kirche in Christus »gleichsam« das Sakrament, d.h. das Zeichen
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und
Werkzeug für die innigste Vereinigung des Menschen mit Gott und für die
Einheit des ganzen Menschengeschlechtes ist. Das Wort »gleichsam« ist jedoch
weggelassen in dem Text, welcher im 2. Kapitel (Art. 9) erklärt: »Gott hat die
Versammlung derer, die zu Christus als dem Urheber des Heiles und dem Ursprung
der Einheit und des Friedens glaubend aufschauen, als eine Kirche
zusammengerufen und bestellt, damit sie allen und jedem das sichtbare Heilszeichen
(sacramentum visibile) dieser heilbringenden Einheit sei.« In der Anmerkung
wird auf Cyprian (Brief 69,6) verwiesen, welcher sagt, die Kirche sei das unauflösliche
Sakrament der Einheit (siehe auch Art. 8, 48, 59; Konst. über die Kirche in der
Welt von heute. Art. 42, 45; Konst. über die Heilige Liturgie, Art. 5, 26. - M.
Seybold, Die Siebenzahl der Sakramente in: MThZ 27, 1976, 113-138. G. Baraúna,
De ecclesia l, 1966, mit den Beiträgen von A. Grillmeier, 0. Gonzales.
Hermandes, Ch. Journet,
P. Smulders. - H. Mühlen, Una mystica persona, 2. Aufl.,
1967).