2.
Begegnungscharakter
Da
sich das Zeichen nicht nach Art einer mechanischen Naturkausalität selbst
setzt, sondern gesetzt werden muß, da es also eines Menschen bedarf, der das
Zeichen setzt, wird der Vollzug eines Sakramentes immer auch zu einer Begegnung
zwischen dem Spender und dem Empfänger. Diese vollzieht sich anders als in
einem rein amtlichen, bürokratischen Vorgang. Wenn der Spender und der Empfänger
das Zeichen in wahrem Glauben verstehen, anerkennen, vollbringen und
entgegennehmen, so ist dies Ausdruck des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe,
und zwar der Liebe zu Jesus Christus und der Liebe untereinander, der
Heilsliebe, in der einer dem anderen das Heil wünscht und einer gegenüber dem
anderen bereit ist, das Heil entgegenzunehmen. So ist dieser Vorgang durch und
durch personal bestimmt, wenngleich ein dingliches Zeichen, das Wasser, der
Wein, das Öl, Anlaß und Grund der von Gott kommenden und zu Gott führenden,
über die Menschen laufenden Heilsbewegung ist. Spender und Empfänger stellen,
wie gesagt, einen heilshaften Funktionszusammenhang dar. Sie treten zu einem
Heilsbund zusammen. Darin stellen sie dar und aktualisieren sie die Kirche als
Bund Gottes mit den Menschen; dies wird in seiner heilshaften Tragweite verständlich,
wenn wir bedenken, daß in dem Vorgang Christus selbst wirkt, in dem Spender als
der unsichtbare Spender, in dem Empfänger als derjenige, welcher dessen Herz für
die Gnade öffnet. Spender und Empfänger sind im Christusglauben zum Heilsbund
zusammengeschlossen.
In
welchem Maße das äußere Zeichen in die Heilsbewegung eingeschaltet wird,
wird von den theologischen Schulen verschieden verstanden. Wie immer
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man
das Verhältnis erklären mag, keineswegs kann man dem Ding aufgrund seines
eigenen Wesens oder seiner eigenen natürlichen Struktur und Symbolik eine
Heilskausalität zuschreiben. Das Heil nimmt seinen Ausgang immer in Golt. Die
Sakramente üben keinen nötigenden Einfluß auf Gott aus. Gott behält immer
die Initiative. Wenn er sich gnadenhaft schenkt, so entspringt dies ausnahmslos
seinem freien gnädigen Erbarmen.
Es
ist grundlegend, daß zwar das Zeichen selbst, das Wasser, der Wein oder das Öl,
eine gewisse Symbolik zu dem Heilswirken hat, daß aber der Heilssinn im
eigentlichen Sinn erst durch das sich mit dem Ding verbindende Wort offenbar
wird. Das Wasser bei der Taufe weist hin auf die Abwaschung von der Sünde. Der
Wein bei der Eucharistie weist hin auf die Kraft und auf die Freude und auch auf
die Gemeinschaft, welche im eucharistischen Mahl impliziert sind. Die Salbung
mit dem Öl weist hin auf die Salbung mit dem Heiligen Geiste. So haben die
Zeichen eine gewisse innere Eignung, zu symbolisieren, was durch sie gewirkt
wird. Aber erst das Wort, und zwar das aus dem Christusglauben gesprochene
Wort, das Glaubenswort, klärt den Heilssinn.